In Aschaffenburg läuft die Bergung einer außergewöhnlich gut erhaltenen keltischen Holz-Stein-Konstruktion am Main unter hohem Zeitdruck. Anlass ist der parallel laufende Bau eines Regenüberlaufbeckens nördlich der Willigisbrücke. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wurden einzelne Eichenbalken dendrochronologisch in die Jahre 372 bis 352 vor Christus datiert. Damit gehört die Anlage in die frühe Latènezeit und gilt wegen Erhaltungszustand und Bauweise als herausragender Befund der Eisenzeit in Deutschland.
Die freigelegte Struktur erstreckt sich nach aktuellem Kenntnisstand über rund 30 bis 40 Meter. Sie besteht aus eng geschichteten Eichenbalken, die mit Trockenmauerwerk kombiniert sind. Archäologinnen und Archäologen vermuten, dass die Anlage unmittelbar am damaligen Flussufer lag. Hinweise deuten auf eine vorgelagerte hölzerne Plattform, die als Anlegestelle für Boote gedient haben könnte. Die Untersuchungen sollen Bauprinzipien, Verbindungstechniken und die Organisation handwerklicher Arbeit im keltischen Siedlungsraum präziser fassbar machen.
Ein Drittel der Holzelemente ist nach Behördenangaben bereits geborgen, dreidimensional dokumentiert und zur Stabilisierung in Wasserbecken zwischengelagert, um ein Austrocknen und damit ein Zerfallen zu verhindern. Zum Einsatz kommen 3D-Laserscanner, Schichtanalysen und naturwissenschaftliche Datierungen. Geoarchäologie und Archäobotanik sind eingebunden, um den damaligen Mainlauf, Nutzungsphasen und die Funktion der Anlage zu klären. Die Arbeiten koordiniert das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in enger Abstimmung mit der Stadt Aschaffenburg und dem Stiftsmuseum.
Die Dringlichkeit ergibt sich aus dem Baufortschritt des Regenüberlaufbeckens; die archäologischen Maßnahmen sollen nach derzeitiger Planung bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Konservierung, Restaurierung und wissenschaftliche Auswertung werden darüber hinaus mehrere Jahre beanspruchen. Verlässliche Kostenangaben liegen noch nicht vor. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege spricht von einer „Sensation“ für die bayerische und deutsche Archäologie, verweist aber zugleich auf die Notwendigkeit einer langfristig angelegten Konservierung.
Die Entdeckung geht auf Befunde zurück, die im März 2026 im Zuge der Tiefbauarbeiten gemacht wurden. Seither wird der Fund systematisch geöffnet, dokumentiert und nach und nach geborgen. Stadt und Landesamt berichten fortlaufend über den Fortschritt. Gesichert ist: Der außergewöhnliche Erhaltungszustand der Holzkonstruktion eröffnet seltene Einblicke in Technik und Logistik einer keltischen Uferanlage am Main – und schafft eine neue, materiell gut belegte Grundlage für künftige Forschung zur frühen Latènezeit in Unterfranken.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).