Atmosfair hat die Pilotproduktion für E‑Kerosin in Werlte im Emsland beendet. Die Berliner Klimaschutzorganisation teilte am 20. Oktober 2026 mit, dass die Anlage technisch nicht wie geplant lief und seit dem Start 2021 insgesamt weniger als zehn Tonnen Rohkerosin erzeugt wurden. Der Vertrag mit dem Anlagenhersteller sei beendet, Schadenersatzforderungen seien eingeleitet, heißt es im aktuellen Newsletter.
Nach Angaben von Atmosfair verfehlte die Versuchsanlage die erwarteten Effizienz- und Volumenziele deutlich. Angekündigt waren für eine spätere Ausbaustufe mehrere hundert Tonnen pro Jahr. In den regulären Dauerbetrieb habe die Technik nicht überführt werden können. Der Anlagenhersteller teilte demnach mit, dass die Anlage bereits demontiert wurde. Unabhängige Medien in Niedersachsen berichteten übereinstimmend über das Aus der Testproduktion.
Das Projekt in Werlte war 2021 als eines der ersten Demonstrationsvorhaben für strombasierte Flugkraftstoffe in Deutschland gestartet. Es stand für den Versuch, aus grünem Wasserstoff und abgeschiedenem Kohlenstoff synthetisches Kerosin zu erzeugen. Ende Juni 2024 meldete Atmosfair erste, sehr kleine Produktionsmengen. Nun bewertet die Organisation die gewählte technische Route als nicht ausreichend belastbar.
Die Entscheidung hat Folgen für die nationale Strategie zum Markthochlauf nachhaltiger Flugkraftstoffe. Für den Luftverkehr sind verlässliche Mengen von Sustainable Aviation Fuels notwendig; bislang liefern Pilotprojekte nur geringe Volumina. Fachleute hatten wiederholt vor überzogenen Erwartungen an frühe Demonstrationsanlagen gewarnt. Der jetzige Rückschlag unterstreicht die Notwendigkeit, Fördermittel stärker auf Verfahren mit absehbarer Skalierbarkeit zu konzentrieren und technische Reifegrade klar zu unterscheiden.
Atmosfair kündigte an, alternative Produktionswege zu prüfen und sich stärker der Methanolroute zur Herstellung von Kerosin zuzuwenden. Entsprechende neue Pilotprojekte sollen nach Angaben der Organisation zügig starten. Offen bleibt, wie die geltend gemachten Ansprüche gegen den Anlagenhersteller bewertet werden und welche Kosten der Rückbau am Standort im Emsland verursacht.
Die Angaben zur Produktionsmenge, zur Vertragsbeendigung und zum Rückbau stammen aus dem Newsletter von Atmosfair vom 20. Oktober 2026. Regionale und überregionale Berichte, darunter der Norddeutsche Rundfunk und die Hannoversche Allgemeine Zeitung, griffen die Mitteilung auf und bestätigten die wesentlichen Punkte. Weitere Detailauskünfte zu technischen Ursachen oder zum Zeitplan möglicher Folgeprojekte lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).