In Augsburg hat am 1. Oktober eine zeitkritische Kanalsanierung unter der Barfüßerkirche begonnen. Der Abschnitt des Stadtbachs Hinterer Lech weist laut Fachgutachten schwere Schäden auf. Mit dem Baubeginn wird eine konkret gewordene Gefahr entschärft, dass ein Einsturz des Gewölbes den Bach aufstauen und Teile der Altstadt überfluten könnte. Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Zu den Barfüßern und die Stadt Augsburg hatten die Maßnahme im Vorfeld angekündigt; BR24 berichtete am selben Tag über den Start.
Die Untersuchung ergab Verformungen des gemauerten Gewölbes, Aushöhlungen an der Gründung und Abschnitte, in denen die Trennwand zwischen Wasserlauf und Kreuzgang nur rund 14 Zentimeter stark ist. Im nun trockengelegten Teil wird zunächst eine Stahlbetonsohle eingebaut, die Uferwände werden verstärkt. In einem weiteren Schritt ist eine zusätzliche Innenschale zur Aussteifung des historischen Gewölbes vorgesehen. Ingenieure kombinieren konventionelle mit grabenarmen Verfahren, um das Bauwerk zu sichern und Erschütterungen zu minimieren.
Die Arbeiten sind an den planmäßig herbeigeführten Ablass des Hinteren Lech gekoppelt. Nur in diesen Zeitfenstern können Eingriffe ohne unkontrollierte Wasserzuflüsse erfolgen. Die Stadt Augsburg hatte entsprechende Ablässe für September und Anfang Oktober kommuniziert. Nach Angaben der beteiligten Statiker handelt es sich nicht um eine binnen Stunden drohende Havarie, wohl aber um einen Zustand, der ohne Eingriff mit zunehmender Wahrscheinlichkeit zu einem Versagen geführt hätte. Schwankende Wasserstände gelten als besonderes Risiko für die historisch auf Eichenpfahlgründung errichtete Struktur.
Finanziell liegt die Last nicht allein bei der Kirchengemeinde. Für die Sanierung werden insgesamt etwa 1,6 Millionen Euro veranschlagt; die Gemeinde soll rund ein Drittel tragen. Zu weiteren Zuschüssen und zur Verteilung möglicher Folgekosten verwiesen Stadt und Kirchengemeinde auf laufende Prüfungen.
Städtebaulich betrachtet hat der Fall Bedeutung über den Einzelstandort hinaus. Unter mehreren Gebäuden in der Augsburger Altstadt verlaufen überbaute Abschnitte der historischen Wasserläufe. Fachleute sehen die aktuelle Sanierung als Referenzprojekt: Vergleichbare Stellen sollen identifiziert und bei Bedarf gesichert werden, um Kulturdenkmale und Bausubstanz zu schützen. Konkrete Entscheidungen zu weiteren Abschnitten liegen bei der Stadt Augsburg und den jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümern. Prognosen zu Zeitplänen und Budgets darüber hinaus wurden nicht gemacht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).