In der Stadtkirche St. Petri in Augustusburg (Landkreis Mittelsachsen) läuft die Montage einer 360-Grad-Klangwelt. Kern ist die denkmalgerecht restaurierte Jehmlich-Hauptorgel von 1896, die mit mehreren im Kirchraum verteilten Filialwerken technisch verbunden wird. Ziel ist ein räumlich umhüllendes Klangerlebnis, das sich im gesamten Gotteshaus entfaltet.
Träger des Vorhabens ist der Verein 360 Grad e. V. unter der künstlerischen Leitung von Pascal Kaufmann. Das Projekt wird vom Freistaat Sachsen, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Mittelsachsen gefördert. Nach Angaben von Stadt Augustusburg und Trägerverein werden sämtliche Werke über einen elektrischen Generalspieltisch simultan spielbar. Die Anlage soll mehrere tausend Pfeifen umfassen und ist auf Termine im Herbst 2026 ausgerichtet.
Ein besonderes Merkmal ist ein integriertes Akkordeon-Register. Es handelt sich nicht um ein handgespieltes Soloinstrument, sondern um eine innerhalb der Orgelanlage fest eingebaute Klangquelle, die die vorhandenen Register um eine zusätzliche Farbe ergänzt und zur räumlichen Verteilung des Klangs beiträgt. Daneben sind weitere untypische Klangquellen wie Röhrenglocken, ein Marimbafon und naturalistische Vogelstimmen vorgesehen. Aus Projektunterlagen und regionalen Berichten geht hervor, dass sich die Bezeichnung Akkordeon-Register auf diese fest integrierte Einheit bezieht.
Hintergrund ist neben der Restaurierung der historischen Substanz der Versuch, traditionelle Kirchenmusik um experimentelle Komponenten zu erweitern. Die Verantwortlichen verweisen auf das Potenzial, neue Publika für Kirchenraum und Orgelmusik zu gewinnen. Denkmalrechtliche und akustische Fragen wurden im Zuge der Förderverfahren geprüft. Öffentliche, detailliert begründete Einwände aus der Orgelpflege sind bislang nicht prominent dokumentiert.
Für die weitere Umsetzung planen die Betreiber moderierte Präsentationen, Führungen und Konzerte, unter anderem im Rahmen des Augustusburger Musiksommers. Konkrete Termine für Eröffnung oder Weihe werden nach Abschluss der bau- und tontechnischen Arbeiten bekanntgegeben; Ausführungsfristen können sich witterungs- und baubedingt verschieben.
Die 360-Grad-Klangwelt in Augustusburg steht damit an der Schnittstelle von Denkmalpflege, Raumakustik und Kulturvermittlung. Sie verbindet die historische Jehmlich-Hauptorgel von 1896 mit zeitgenössischer Steuerungstechnik und erweitert das gewohnte Klangbild um ein Akkordeon-Register und andere Sonderklänge. Für die Stadtkirche St. Petri und die Stadt Augustusburg erwarten die Träger positive Effekte für Tourismus und Bildungsangebote, zugleich aber auch eine intensive Abstimmung zwischen künstlerischer Idee, liturgischen Anforderungen und bauphysikalischen Grenzen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).