Wirtschaft

Autoexperte: 35-Stunden-Woche in der Autoindustrie unter Druck

Nach Berichten über längere Wochenarbeitszeiten bei Mercedes-Benz entfacht eine Debatte: IG Metall widerspricht, Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die 35-Stunden-Woche am Ende.

In Deutschland ist eine neue Debatte über die Arbeitszeit in der Autoindustrie entbrannt. Auslöser sind Berichte, wonach Unternehmensleitungen großer Hersteller – namentlich wurde Mercedes-Benz genannt – intern eine Rückkehr zu längeren Wochenarbeitszeiten ohne vollen Lohnausgleich prüfen, in einem Fall bis zu 38 Stunden. Die IG Metall wies entsprechende Überlegungen umgehend zurück und warnte vor einem Absenken tariflicher Standards.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wurde mit der Einschätzung zitiert, die flächendeckende 35-Stunden-Woche in der Branche sei „vorbei“. Er begründet dies mit anhaltendem Wettbewerbsdruck, hohen Standortkosten und dem Investitionsbedarf für den Umbau zu Elektromobilität und Batteriezellen. Aus Sicht von Befürwortern längerer Arbeitszeiten könnten Unternehmen so die Stundenkosten senken und Kapazitäten flexibler steuern.

Die Gewerkschaft hält dem entgegen, Arbeitszeit sei integraler Teil des Tarifvertragssystems der Metall- und Elektroindustrie. Änderungen seien nur in geordneten tariflichen Verfahren verhandelbar und müssten die Gesamtbalance aus Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub und betrieblichen Leistungen wahren. Eine pauschale Ausweitung der Wochenarbeitszeit ohne Ausgleich lehnt die IG Metall ab. Auch verweist sie auf bestehende Instrumente wie Arbeitszeitkonten und betriebliche Öffnungsklauseln, die bereits Flexibilität ermöglichen.

Politisch trifft die Kontroverse auf eine breitere Standortdebatte. Industrievertreter, einige Ökonomen und Branchenkommentare argumentieren, Deutschland müsse Produktivität und Auslastung kurzfristig steigern, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, während mittelfristig Investitionen in Technologie und Qualifizierung entscheidend seien. Gewerkschaften und Betriebsräte betonen dagegen die Bedeutung verlässlicher Arbeitsbedingungen für Fachkräftesicherung und Innovationsfähigkeit.

Faktisch ändert sich mit den jüngsten Äußerungen zunächst nichts an der tariflichen Rechtslage. Sollte es Versuche geben, Arbeitszeiten in größerem Stil anzuheben, wären Verhandlungen auf Betriebs- und Verbandsebene erforderlich. Mögliche Schlichtungen, Mitgliedervoten und gegebenenfalls Arbeitskampfmaßnahmen sind reguläre Schritte im Rahmen der Tarifautonomie. Prognosen über ein schnelles, flächendeckendes Ende der 35-Stunden-Woche bleiben Spekulation.

Der aktuelle Anlass zeigt jedoch, wie eng Arbeitszeitfragen mit der Transformation der Autoindustrie verknüpft sind. Unternehmen suchen Kostenvorteile und Tempo, während Beschäftigte Planbarkeit und faire Bedingungen einfordern. Ob es zu punktuellen Anpassungen, branchenspezifischen Modellen oder einer Bestätigung des Status quo kommt, wird die anstehenden Tarifrunden und betrieblichen Verhandlungen prägen.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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