Bayern setzt beim Wohnungsbau verstärkt auf die Umnutzung leerstehender Gebäude. Zentrales Instrument ist das landesweite Modellvorhaben Leerstand jetzt WOHNEN, das das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr im April 2026 gestartet hat. Ziel ist, leerstehende Gewerbe-, Büro- und Einzelhandelsflächen rasch in bezahlbaren Mietwohnraum zu verwandeln, Ortskerne zu stärken und zusätzliche Flächenneuausweisungen zu vermeiden.
Wohnungsbauminister Christian Bernreiter ruft Städte, Märkte und Gemeinden zur Beteiligung auf. Für den Einstieg reicht nach Ministeriumsangaben eine kurze Interessensbekundung bei den Sachgebieten 34 (Städtebau) oder 35 (Wohnungswesen) der jeweiligen Bezirksregierung. Das Vorhaben verbindet einen konkreten Projektaufruf mit vereinfachten Förderstrukturen und intensiver Beratung aus dem experimentellen Wohnungsbau. Die Staatsbauverwaltung kann dabei als Projektmanager unterstützen, um Abläufe zu bündeln und Vorhaben mit kurzer Umsetzungszeit zu priorisieren.
Das Ministerium betont, dass Bau- und Brandschutzrecht sowie Förderbedingungen frühzeitig aufeinander abgestimmt werden sollen. Damit sollen rechtssichere und planbare Umbauten ermöglicht werden, ohne die technischen Mindestanforderungen zu unterlaufen. Kommunen erhalten Hinweise zu Verfahrenswegen, Genehmigungsschritten und zu Schnittstellen mit bestehenden Programmen, etwa der Städtebauförderung. Vorgesehen ist vor allem die Aktivierung vorhandener Bausubstanz in Ortslagen, in denen sich Umnutzung wirtschaftlich darstellen lässt.
Kommunale Verbände sowie Fachleute aus Planung und Wohnungswirtschaft begrüßen den Fokus auf Umnutzung. Zugleich warnen sie vor zusätzlichen administrativen Lasten und zu engen Fristen. Aus ihrer Sicht braucht es klare Vorgaben zu Haftung, Förderkonditionen und technischen Standards, damit auch private Eigentümer tragfähige Investitionsentscheidungen treffen können. Das Ministerium verweist auf eine enge Abstimmung mit Bundesprogrammen und auf bereits erprobte Ansätze aus dem experimentellen Wohnungsbau in Bayern.
Wie stark Leerstand jetzt WOHNEN den Wohnungsbestand erhöhen kann, hängt nach Einschätzung der Landesverwaltung vom Zusammenspiel aus Förderpolitik, Planungsrecht und kommunaler Umsetzungskapazität ab. Besonders in Ortskernen und in Städten mit hohem Büroleerstand sollen erste Projekte schnell Wirkung entfalten. Verlässliche Zahlen zur quantitativen Wirkung werden erst mit fortschreitender Umsetzung erwartet.
Mit dem Modellvorhaben setzt der Freistaat auf ein pragmatisches Vorgehen: vorhandene Flächen aktivieren, Verfahren verschlanken, Beratung bündeln. Für Kommunen bietet der Ansatz die Chance, innerörtliche Lagen zu beleben und zugleich bezahlbaren Mietwohnraum zu schaffen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).