Eine aktuelle Veröffentlichung des Bayerischen Landesamts für Statistik zum Berichtsjahr 2024 zeigt: Während Frauen und Männer unter Studierenden und Promovierenden in Bayern nahezu gleich stark vertreten sind, bleiben Frauen auf Professuren deutlich in der Minderheit. Demnach liegt der Frauenanteil bei Studienabschlüssen in etwa bei der Hälfte, ähnlich hoch ist er unter den Promovierenden. Auf Professuren entfallen dagegen nur rund 26 Prozent auf Frauen. Die amtlichen Zahlen basieren auf den Meldungen der Hochschulen und bilden das Personal- und Prüfungsjahr 2024 ab.
Damit setzt sich ein Muster fort, das die Hochschulstatistik seit Jahren dokumentiert: Der weitgehend geöffnete Zugang zur akademischen Ausbildung spiegelt sich nicht in den Spitzenpositionen wider. Nach Angaben des Landesamts zeigen die nach Fächergruppen ausgewiesenen Daten deutliche Unterschiede: In Geistes- und Sozialwissenschaften liegt der Frauenanteil über dem Durchschnitt, in den Ingenieur- und technischen Fächern bleibt er deutlich darunter. Diese fachlichen Schwerpunkte prägen die Berufungspools und schlagen sich in der Professorenschaft nieder.
In den Begleitberichten zur Hochschulstatistik werden mehrere Faktoren genannt, die den geringeren Frauenanteil auf Professuren mit erklären: lange Phasen befristeter wissenschaftlicher Beschäftigung, ungleiche Verteilung von Familien- und Betreuungsaufgaben, geringere Habilitations- und Beförderungsraten sowie Unterschiede in Berufungsverfahren. Einzelne Hochschulen verzeichnen in der mittleren Wissenschaftsebene höhere Frauenanteile, die bislang noch nicht proportional in Berufungen münden.
Politisch und organisatorisch richtet sich der Blick auf Maßnahmen, die als wirksam gelten oder intensiviert werden: transparente und standardisierte Berufungsverfahren, gezielte Berufungs- und Qualifizierungsprogramme, Unterstützung bei Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft sowie strukturelle Karrierepfade wie Tenure-Track. Zuständig und angesprochen sind dabei vor allem die Hochschulen in Bayern und das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Das Statistische Bundesamt weist für Deutschland ähnliche Muster entlang der akademischen Laufbahn aus, sodass sich bayerische Entwicklungen in ein bundesweites Bild einordnen lassen.
Offen bleibt, wie schnell sich die beobachteten Fortschritte bei Promovierenden in den professoralen Bereich übertragen. Da Berufungsverfahren mehrjährige Zeitläufe haben, sind Effekte zeitverzögert zu erwarten. Die nächsten Personalberichte der Hochschulen und die Wiederholungen der Hochschulstatistik werden zeigen, ob der Abstand zwischen nahezu paritätischer Qualifikation und deutlich geringerer Repräsentanz in Spitzenpositionen kleiner wird.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).