Für den BioNTech-Standort in Marburg ist bis zum Ablauf der vom Unternehmen gesetzten Frist Ende September 2026 kein Investor gefunden worden. Das bestätigte der Betriebsrat am 28. September. Eine endgültige Schließung des Werks steht damit nach seiner Einschätzung bevor. Eine offizielle Unternehmensentscheidung über den nächsten Schritt lag zunächst nicht vor.
BioNTech hatte Ende August angekündigt, Veräußerungsoptionen für einzelne Standorte zu prüfen und bis Ende September Klarheit zu schaffen. Hintergrund sind deutlich gesunkene Erlöse mit COVID-19-Impfstoffen und eine strategische Bündelung der Produktionskapazitäten zugunsten der onkologischen Pipeline. Bereits im Frühjahr war in der Region mit Blick auf Marburg von rund 540 betroffenen Stellen die Rede; bundesweit stellte das Unternehmen im Jahresverlauf eine mittelfristige Reduktion von bis zu rund 1.860 Stellen in Aussicht. Diese Zahlen stammen aus Unternehmensangaben und regionalen Berichten und beziehen sich auf mehrere Standorte.
Nach der Bestätigung des Betriebsrats wollen Arbeitnehmervertretungen und die Unternehmensführung kurzfristig in Verhandlungen über die sozialen Folgen eintreten. Im Fokus stehen Transfergesellschaften, Qualifizierungsangebote, Abfindungsmodalitäten sowie die Ausgestaltung tariflicher und betrieblicher Regelungen. Auch die Landesregierung in Hessen und die Stadt Marburg sind eingebunden; beide verweisen auf die Bedeutung des Standorts für die regionale Wertschöpfung und den Arbeitsmarkt.
Rechtlich maßgeblich sind nun Kündigungsschutzfristen, Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats und mögliche Ergänzungen bestehender Betriebsvereinbarungen. Die Industriegewerkschaft IG BCE hat weitere Gespräche zugesagt. Parallel werden Optionen für eine Nachnutzung des Werksgeländes in Marburg ausgelotet, falls der Betrieb eingestellt wird.
Das Unternehmen hatte in seiner Kommunikation betont, die Portfoliokonzentration beschleunigen zu wollen, um klinische Programme in der Onkologie voranzubringen. Aus Sicht von Branchenbeobachtern ist die Verringerung von COVID-19-Impfstoffe-Kapazitäten eine Reaktion auf den abgeschwächten Markt. Prognosen zu Zeitplänen der Stilllegung oder konkreten Transfermaßnahmen liegen derzeit nicht vor; sie hängen von der ausstehenden Unternehmensentscheidung und den Ergebnissen der Verhandlungen ab.
Für Marburg und die Region Hessen wäre eine Schließung ein spürbarer Einschnitt. Kommunale Vertreter dringen auf eine koordinierte Lösung, die Beschäftigungsperspektiven schafft und eine zügige Ansiedlung neuer industrieller Nutzung ermöglicht. Klar ist: Ohne Käufer rückt das Szenario einer Werksschließung näher; über das genaue Verfahren muss BioNTech nun entscheiden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).