Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, hat im Deutschlandfunk die NATO-Politik von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. In der Sendung Interview der Woche vom 19. September 2026 sagte Bolton, Trump habe den Beziehungen zu den Verbündeten „enormen Schaden“ zugefügt. Zugleich betonte er, die Grundfesten des Bündnisses blieben intakt; eine Wiederannäherung sei möglich, wenn eine künftige US-Regierung den Wert der Partnerschaften wieder sichtbar mache.
Bolton ordnete seine Kritik ausdrücklich als politische Bewertung der gegenwärtigen Lage ein. Er warf Trump mangelnde Abstimmung mit Verbündeten, konfrontative Rhetorik und eine Ausrichtung an kurzfristigen innenpolitischen Vorteilen zulasten konsistenter Bündnispolitik vor. Diese Herangehensweise habe Vertrauen gekostet und Entscheidungswege innerhalb des Bündnisses erschwert. Die Belastungen beträfen nach Boltons Darstellung vor allem die politische Ebene; militärische Strukturen der NATO und eingespielte Verfahren blieben funktionsfähig.
Für Deutschland und andere europäische Mitgliedstaaten ist Boltons Diagnose ein Hinweis auf die Notwendigkeit, politische Brücken zu erhalten und handlungsfähig zu bleiben, auch wenn die strategische Koordination mit Washington schwankt. Aus Sicht sicherheitspolitischer Fachleute – darauf verweist Bolton indirekt – kann die Reparatur beschädigter Beziehungen nur mit glaubwürdigen Signalen erfolgen: verbindliche Konsultationen, verlässliche Zusagen, transparente Entscheidungsprozesse und sichtbare Bereitschaft zu gemeinsamer Lagebewertung. Solche Schritte benötigen Zeit und messbare politische Entscheidungen; eine automatische Rückkehr zu früheren Routinen stellt Bolton ausdrücklich nicht in Aussicht.
Der Nachrichtenwert seiner Aussagen liegt in der doppelten Botschaft: Erstens konstatiert Bolton einen aktuell fortwirkenden Vertrauensverlust innerhalb des Bündnisses, für den er Trump verantwortlich macht. Zweitens hält er die Schäden für grundsätzlich umkehrbar. Ob und in welchem Zeitraum das gelingt, hängt nach seiner Einschätzung von künftigen politischen Weichenstellungen in den Vereinigten Staaten ab. Prognosen dazu verbindet Bolton mit der Bedingung, dass eine Administration wieder systematisch auf Verbündete zugeht.
Das Interview wurde am 19. September 2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt und dokumentiert Boltons aktuelle Position. Seine Aussagen richten sich an die Adresse der US-Regierung, sind aber für die Partner in Europa von unmittelbarer Bedeutung: Sie markieren den Konflikt zwischen kurzfristiger Machtpolitik und langfristiger Bündnislogik und verweisen auf die Aufgabe, Vertrauen durch berechenbares Handeln und engere Abstimmung neu zu festigen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).