In Braunschweig sind am 4. November 2026 neue Daten zu sexuellen Grenzüberschreitungen im Fahrschulunterricht vorgestellt worden. Die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften legte Ergebnisse einer anonymen Onlinebefragung vor, zu der im Juni und Juli rund 10.000 junge Erwachsene der Jahrgänge 2000 bis 2009 postalisch eingeladen worden waren. 928 Personen beteiligten sich. Die Erhebung ist regional angelegt; die Forschenden sehen jedoch bundesweiten Handlungsbedarf.
Die Befragten berichteten von unterschiedlichen Formen unerwünschten, sexualisierten Verhaltens im Fahrschulkontext – von anzüglichen Witzen und Kommentaren über aufdringliche Blicke bis hin zu ungewolltem Körperkontakt, Einladungen zu privaten Treffen und Nachrichten mit sexuellem Bezug. 41 Prozent der befragten jungen Frauen gaben an, unangenehme Witze oder Kommentare erlebt zu haben; bei jungen Männern lag dieser Anteil bei 19 Prozent. 68 Prozent der gemeldeten Vorfälle ereigneten sich demnach im Fahrschulwagen. 88,6 Prozent der wahrgenommenen Täter wurden als männlich beschrieben, häufig mit einem geschätzten Alter von 41 Jahren und älter. 23 Prozent der betroffenen Frauen stuften zumindest einen Vorfall als schlimm oder sehr schlimm ein; bei Männern waren es 12,5 Prozent.
Auffällig ist die niedrige Meldungsbereitschaft: Die meisten Betroffenen informierten weder die Fahrschule noch Behörden. Als Gründe nannten sie unter anderem die Einschätzung, der Vorfall sei nicht schwerwiegend genug, fehlende Beweise oder die Erwartung, eine Meldung werde nichts bewirken. Die wissenschaftliche Leitung der Studie lag bei Prof. Olaf Lobermeier. Er ordnet die Ergebnisse als deutlichen Hinweis auf Präventionslücken ein, insbesondere in Eins-zu-eins-Situationen während der Ausbildung.
Die kommunale Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Braunschweig und die Jugendberatung bib fordern, Schutzmechanismen für Fahrschülerinnen und Fahrschüler verbindlicher zu verankern. Der Fahrlehrerverband Niedersachsen kündigte an, die Befunde für Fortbildungen und Leitlinien zu nutzen. Die Ostfalia-Forschenden betonen zugleich Grenzen der Übertragbarkeit: Die Daten spiegeln Erfahrungen in und um Braunschweig wider und beruhen auf einer Selbstselektion der Teilnehmenden. Gleichwohl zeigten die Muster – Tatort Fahrschulwagen, hoher Männeranteil bei Tätern, geringe Meldungsraten – strukturelle Risiken, die sich nicht auf eine Region beschränkten.
Die Untersuchung wurde in der Arbeitsgruppe Fahrschule des Runden Tisches gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und jungen Menschen entwickelt und gemeinsam mit kommunalen Stellen, Beratungsangeboten und Fahrschulen umgesetzt. Präsentiert wurden die Ergebnisse im Großen Ratsaal der Stadt Braunschweig.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).