Bruchsal will ab Herbst 2026 erstmals geothermische Wärme in sein kommunales Fernwärmenetz einspeisen. Den Zeitplan bestätigen die Stadtwerke Bruchsal, die als erste Abnehmer Betriebe im Industriegebiet nennen. Projektpartner ist die EnBW, der Bundesverband Geothermie verweist auf entsprechende Vereinbarungen und den laufenden Ausbau der Wärmeauskopplung.
Kern des Vorhabens ist die thermische Auskopplung aus dem bestehenden Geothermiekraftwerk. Die Anlage produziert seit 2009 Strom und wird so ergänzt, dass Wärme von bis zu rund 120 Grad Celsius für die Fernwärme nutzbar wird. Für die Heizperiode 2026/2027 nennen die Stadtwerke eine mögliche Einspeiseleistung von bis zu 12 Megawatt. Die Versorgung soll schrittweise von ersten Industriekunden auf weitere Gewerbeflächen und später Wohnquartiere ausgeweitet werden.
Das Projekt ist im kommunalen Energieleitplan verankert. Nach Angaben der Stadtwerke Bruchsal und der EnBW liegen die technischen Eckdaten vor, die vertraglichen Grundlagen zur Wärmelieferung sind geschlossen. Die Trassenführung ins Industriegebiet gehört zum ersten Ausbauschritt; weitere Netzabschnitte werden in Abhängigkeit von Nachfrage, Genehmigungen und Baufortschritt realisiert. Die Unternehmen betonen Planungssicherheit, regionale Wertschöpfung und stabilere Wärmepreise als erwartete Vorteile der Geothermie.
Bruchsal gehört damit zu den wenigen Standorten im Oberrheingraben, an denen Tiefengeothermie nicht nur für die Stromerzeugung, sondern auch für die Wärmeversorgung praktisch genutzt werden soll. Die EnBW bezeichnet den Standort seit Jahren als Forschungs- und Demonstrationsanlage. Der Bundesverband Geothermie sieht in der Kopplung von Strom- und Wärmenutzung ein wichtiges Element für die Dekarbonisierung kommunaler Wärmenetze.
Die Folgen und offenen Punkte sind getrennt zu betrachten. Für die lokale Klimabilanz und die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist eine geothermische Grundlastquelle vorteilhaft. Entscheidend für die Skalierung sind jedoch die gesicherte Förderrate und Temperatur des Reservoirs, die Auslastung der Anlage sowie der zügige Netzausbau. Debatten über eine mögliche Lithiumgewinnung aus Thermalwasser sind dokumentiert, stehen aber in keinem direkten Zusammenhang mit der anvisierten Wärmelieferung.
Änderungen im Zeitplan und im Zuschnitt der ersten Versorgungsgebiete würden die Stadtwerke Bruchsal und die EnBW bekanntgeben. Bis zum Start der Einspeisung bleibt das Projekt ein vorangekündigter Schritt innerhalb des kommunalen Wärmeplans für Bruchsal in Baden-Württemberg.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).