Der Bund der Steuerzahler Hamburg hat am 1. Oktober 2026 eine Zwischenbilanz zu städtischen Bauvorhaben vorgelegt und erhebliche Defizite bei Kosten- und Terminkontrollen kritisiert. Nach Auswertung des Landesverbandes summieren sich bei den geprüften Projekten der Investitionsoffensive nachträglich ermittelte Mehrkosten auf 43,6 Millionen Euro; dokumentierte Verzögerungen addieren sich auf mehr als 27 Jahre. Der Verband sieht die Ursache vor allem in unklaren Vergleichsmaßstäben und Lücken im Projektmanagement.
Kern der Kritik ist die aus Sicht des Bundes der Steuerzahler unzureichende Transparenz der Finanzbehörde. In öffentlichen Darstellungen werde häufig nicht mit den ursprünglichen, bei Beschlussfassung veranschlagten Kosten verglichen, sondern mit später fortgeschriebenen Ansätzen. Dadurch erscheine die Entwicklung günstiger, als sie tatsächlich sei. Der Landesvorsitzende Sascha Mummenhoff forderte eine ehrliche Zwischenbilanz und durchgängige Offenlegung der Bezugswerte.
Die Finanzbehörde verweist in eigenen Zwischenständen auf Fortschritte und darauf, dass mehrere Vorhaben „im Rahmen“ lägen. Anpassungen von Budgets und Zeitplänen begründet sie regelmäßig mit Marktpreisen, Baupreisindizes, Planänderungen und zusätzlichen gesetzlichen Anforderungen. Unterschiedliche Vergleichsmaßstäbe stehen damit im Zentrum der Auseinandersetzung: Während die Finanzbehörde fortgeschriebene Referenzen nutzt, verlangt der Bund der Steuerzahler den systematischen Rückgriff auf die ursprünglich beschlossenen Planwerte.
Als Beispiele nennt der Verband in seinen Veröffentlichungen Projekte wie das Schwanenquartier und das Klärschlammprojekt VERA II. Wiederkehrende Probleme seien unzureichende Bodengutachten, späte Kostenanpassungen, vergaberechtliche Nachsteuerungen sowie Informationsdefizite gegenüber Parlament und Öffentlichkeit. Nach Ansicht des Verbandes erschwert dies eine sachgerechte Kontrolle von Risiken und Meilensteinen.
Aus Sicht der öffentlichen Haushalte ergibt sich daraus ein doppelter Handlungsauftrag: eine strengere Projektsteuerung in den Behörden und eine einheitliche, nachvollziehbare Rechenbasis über den gesamten Projektverlauf. Der Bund der Steuerzahler fordert den Senat und die Finanzbehörde auf, für jedes Vorhaben die ursprünglich beschlossenen Planwerte, dokumentierte Zwischenstände und aktuelle Kosten sowie die jeweils zugrunde gelegten Preisindizes klar gegenüberzustellen. Nur dann lasse sich die tatsächliche Belastung für die künftigen Haushalte verlässlich bewerten und parlamentarisch steuern. Ob und in welcher Form der Senat seine Berichterstattung anpasst, bleibt vorerst offen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).