Die Projektgesellschaft Femern A/S hat am 13. Oktober 2026 einen Cyberangriff auf den Hauptauftragnehmer Femern Link Contractors bestätigt. Nach Unternehmensangaben waren zentrale IT‑Systeme und das elektronische Zutrittskartensystem betroffen. Teile der Baustelle des Fehmarnbelt‑Tunnels in Rødbyhavn standen dadurch vorübergehend still, Zugänge wurden zeitweise manuell kontrolliert und Arbeitsabläufe eingeschränkt.
Zu Tätern, Methode und Schadenshöhe machte Femern A/S zunächst keine Angaben. Die dänischen Behörden ermitteln. Nach übereinstimmenden Berichten fielen am 13. Oktober Zutrittskarten aus, was zu Störungen der Baustellenlogistik führte. Eine belastbare Aussage zu Terminfolgen liegt bislang nicht vor; der generelle Zeitplan des Projekts wurde nach Stand vom 14. Oktober nicht offiziell geändert.
Der Fehmarnbelt‑Tunnel ist ein grenzüberschreitendes Infrastrukturvorhaben zwischen Dänemark und Deutschland. Er soll Rødbyhavn auf Lolland und Puttgarden auf Fehmarn verbinden. Femern A/S ist eine Tochter von Sund & Bælt und verantwortet Planung und Bau auf dänischer Seite; Femern Link Contractors ist als Konsortium mit wesentlichen Bauleistungen beauftragt. Für Schleswig‑Holstein hat der Vorfall unmittelbare Relevanz, weil Anlieferungen, Montageketten und Abstimmungen auf deutscher Seite eng mit der IT‑gestützten Baustellenlogistik verzahnt sind.
Sicherheitsfachleute und Landesvertreter in Schleswig‑Holstein verweisen nach dem Vorfall auf erhöhte Anforderungen an den Schutz vernetzter Baustellen und Industriebetriebe. Sie raten unter anderem zu strikt segmentierten Netzarchitekturen zwischen Büro‑IT und industrieller Steuerungstechnik, zu mehrstufigen Zugangskontrollen einschließlich Zwei‑Faktor‑Authentisierung, zu gehärteten Fernwartungszugängen, zu regelmäßig geprüften Offline‑Backups sowie zu Notfallübungen, die auch längerfristige IT‑Ausfälle abbilden. Als organisatorische Lehre nennen sie schnellere Melde‑ und Entscheidungswege, rollenklare Krisenstäbe und eine frühzeitige Einbindung von Ermittlungsbehörden.
Mit Blick auf die europäische Richtlinie NIS2 empfehlen Fachleute betroffenen Unternehmen, ihre Pflichten zu Meldefristen, Lieferkettenmanagement und Mindeststandards für kritische Prozesse zu überprüfen. Für Zulieferer und Bauunternehmen auf deutscher Seite geht es kurzfristig vor allem darum, alternative Kommunikations‑ und Zugangsverfahren bereitzuhalten, um Anlieferungen und Personalbewegungen auch bei IT‑Störungen abzusichern. Bislang bleiben Täter, Motivation und Umfang der Beeinträchtigungen offen. Die Ermittlungen laufen in Dänemark; Femern A/S hält nach eigener Darstellung engen Kontakt mit Femern Link Contractors und den zuständigen Stellen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).