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Dortmunder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 105-jährigen Ex-Wachmann des Lagers Senne

Die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft den Verdacht der Beihilfe zum vielfachen Mord gegen einen 105-Jährigen, der im NS-Kriegsgefangenenlager Stalag 326 VI K Senne als Wachmann gedient haben soll.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt gegen einen 105 Jahre alten früheren Wachmann des nationalsozialistischen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 VI K Senne wegen des Verdachts der Beihilfe zum vielfachen Mord. Die Behörde bestätigte das Verfahren am 24. September 2026. Namen des Beschuldigten und konkrete Einzelvorwürfe nennt die Staatsanwaltschaft Dortmund mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht.

Nach Behördenangaben war das Vorermittlungsverfahren von der Zentrale Stelle Ludwigsburg vorbereitet und im Februar 2026 an Dortmund abgegeben worden. Aufgabe der Zentrale Stelle Ludwigsburg ist es, Tatkomplexe zu bündeln, mögliche Täterkreise zu identifizieren und Sachverhalte für die zuständigen Staatsanwaltschaften aufzubereiten. Über eine spätere Anklage entscheidet die ermittelnde Staatsanwaltschaft auf Grundlage der Beweislage.

Das Stalag 326 VI K Senne bestand von 1941 bis 1945 in der Senne und gilt als eines der großen Kriegsgefangenenlager auf deutschem Boden. Historische Forschungen und die örtliche Gedenkstätte dokumentieren extrem hohe Opferzahlen, vor allem unter sowjetischen Kriegsgefangenen. Überlieferungen berichten von Hunger, Gewalt, Krankheiten und unzureichender Versorgung, unter anderem in einem Seuchenlazarett des Lagers. Die aktuellen Ermittlungen richten sich nicht gegen die historische Einordnung dieser Verbrechen, sondern prüfen, inwieweit der Beschuldigte durch Wachdienst oder andere Handlungen tatbestandlich Beihilfe geleistet haben könnte.

Rechtlich stützen sich späte Verfahren in Deutschland seit mehreren Grundsatzurteilen darauf, dass bereits die Mitarbeit im Tötungs- oder Vernichtungssystem eine strafbare Beihilfe darstellen kann, wenn sie objektiv zur Tatbegehung beitrug. Zugleich sind solche Verfahren aufwendig: Sie erfordern belastbare historische Rekonstruktionen, Zeugenaussagen und Dokumente. Bei hochbetagten Beschuldigten kommen medizinische Fragen wie die dauerhafte Verhandlungsfähigkeit hinzu und können das Verfahren beeinflussen.

Opferverbände und Gedenkstätte betonen den symbolischen und rechtlichen Stellenwert solcher Ermittlungen, auch acht Jahrzehnte nach Kriegsende. Für Überlebende und Angehörige sei die späte strafrechtliche Aufarbeitung eine Form der Anerkennung des erlittenen Unrechts. Die Staatsanwaltschaft Dortmund weist darauf hin, dass über weitere Schritte erst nach Abschluss der Beweisaufnahme entschieden werde. Ob es zu einer Anklage kommt, ist offen.

Mitteilungen aus der Behörde und von der Zentrale Stelle Ludwigsburg vom 23. und 24. September 2026 bilden die Grundlage der aktuellen Berichterstattung. Ein Termin für eine mögliche Entscheidung über Anklageerhebung wurde nicht genannt.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen