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EnBW reißt Thermoselect-Anlage in Karlsruhe ab

Der Rückbau im Rheinhafen läuft seit Sommer 2026 und schafft Platz für das geplante Gaskraftwerk RDK 9. Der gescheiterte Thermoselect-Versuch kostete laut Kritikern rund 400 Millionen Euro.

Im Karlsruher Rheinhafen wird die frühere Thermoselect-Anlage abgerissen. Nach Angaben der Betreiberin EnBW läuft der Rückbau seit Sommer 2026; bis Mai 2027 soll das Gelände freigeräumt sein. Der Abbruch schafft Platz für das geplante Gas- und Dampfturbinenkraftwerk RDK 9, das in Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und perspektivisch Wasserstoff nutzen können soll. Die Stadt Karlsruhe begleitet die bauvorbereitenden Maßnahmen im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans und einer Umweltverträglichkeitsprüfung.

Mit dem Rückbau endet eine seit Jahren stillstehende Industrieanlage, die Ende der 1990er Jahre als Vorreiterin der Abfallverwertung galt. Thermoselect sollte Abfälle unter hohem Druck und hoher Temperatur in Synthesegas und nutzbare Rohstoffe zerlegen und zugleich Strom und Wärme liefern. In der Praxis blieb der Betrieb störanfällig: Nach der Inbetriebnahme 1999 kam es zu technischen Ausfällen und Emissionsproblemen; die Anlage erreichte nie einen dauerhaften Volllastbetrieb und wurde 2004 stillgelegt. Kritiker und Stellungnahmen im Bebauungsplanverfahren beziffern die Verluste rund um das Projekt auf etwa 400 Millionen Euro.

EnBW bewertet den Abriss als planmäßigen Schritt zur Nutzung der Fläche für RDK 9. Das Unternehmen verweist auf die Rolle des künftigen Kraftwerks in der regionalen Versorgungssicherheit und bei der Dekarbonisierung durch die optionale Wasserstoff-Beimischung. Die Stadt Karlsruhe hat hierfür Beteiligungsverfahren organisiert und Unterlagen zum Bebauungsplan und zur Umweltverträglichkeitsprüfung öffentlich ausgelegt.

Umweltverbände und Anwohner begrüßen das Ende des gescheiterten Thermoselect-Versuchs, äußern aber Vorbehalte gegen ein neues Gaskraftwerk am Standort. Der BUND und andere Initiativen fordern belastbare Zusagen zu Emissionsminderung, zur Ausrichtung auf erneuerbare Brennstoffe und zur Einbindung in die Fernwärmeplanung. Zudem verlangen sie Transparenz zu Lärm- und Luftschadstoffgrenzwerten sowie zu möglichen Ausgleichsmaßnahmen im Rheinhafen.

Als nächstes stehen im Verfahren weitere Genehmigungsschritte und Auswertungen der eingegangenen Stellungnahmen an. Parallel setzt EnBW den Rückbau fort und bereitet das Areal technisch vor. Der Zeitplan sieht die Freimachung des früheren Thermoselect-Areals bis Mai 2027 vor. Über Bau und Inbetriebnahme von RDK 9 werden Gemeinderat und Behörden auf Basis der Ergebnisse aus Bebauungsplan und Umweltverträglichkeitsprüfung entscheiden. Der Standort Rheinhafen bleibt damit ein zentraler Baustein der Karlsruher Energie- und Wärmeinfrastruktur, während ein kostenintensives Kapitel Industriegeschichte abgeschlossen wird.

Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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