Am 15. Oktober 2026 berichten NDR und Tagesschau über deutliche Kritik aus Kliniken und Rettungsdiensten an der geplanten Notfallreform. Mehrere Stimmen aus der Praxis warnen, das Vorhaben könne ohne klare Regeln für Finanzierung, digitale Vernetzung und Triage zum „zahnlosen Tiger“ werden. Die Einwände richten sich vor allem gegen offene Umsetzungsfragen, die nach Ansicht der Kritiker den Andrang in der Notaufnahme kaum mindern dürften.
Kern des Gesetzentwurfs ist der Aufbau Integrierter Notfallzentren: Notaufnahme, eine Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigungen und eine zentrale Ersteinschätzung sollen dort nahtlos zusammenarbeiten. Patientinnen und Patienten sollen verstärkt über die Leitnummer 116117 gesteuert und nach festgelegten Kriterien in die passende Versorgungsebene geleitet werden. Das Bundeskabinett hatte den Entwurf nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums am 22. April 2026 beschlossen.
Aus der Fachwelt wird eingewandt, dass die Wirkung maßgeblich von drei Voraussetzungen abhängt: erstens einer verbindlichen technischen Vernetzung zwischen Leitstellen, Integrierten Notfallzentren und Notaufnahme; zweitens einer belastbaren Finanzierung für zusätzliche ambulante Strukturen; drittens präzisen Qualitätsstandards für die medizinische Ersteinschätzung. Ohne klare Zuständigkeiten, Budgets und Vorgaben könne die bekannte Selbstzuweisung in die Notaufnahme fortbestehen, so die Befürchtung.
Das Bundesgesundheitsministerium verweist auf vorgesehene bundeseinheitliche Standards. Dazu zählt ein Fachgremium, das Qualitätsfragen in der medizinischen Notfallrettung klären und einheitliche Kriterien für die Ersteinschätzung sichern soll. Nach Darstellung des Ministeriums sollen zudem telemedizinische und aufsuchende Angebote die Versorgung ergänzen. Befürworter in Krankenkassen und Fachgesellschaften sehen darin die Chance, Sektorengrenzen zu überwinden und Ressourcen gezielter einzusetzen.
Offen bleibt, wie schnell Länder, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen und Rettungsdienste die personellen und digitalen Kapazitäten tatsächlich schaffen. In Stellungnahmen und Medienberichten zeigen sich Unterschiede zwischen den gesetzlichen Zielvorgaben und der bisherigen Umsetzungsbereitschaft vor Ort. Auch Fristen und Detailvorgaben für die Integrierten Notfallzentren gelten als entscheidend dafür, ob die Steuerung über die Leitnummer 116117 im Alltag trägt.
Fakt ist: Die Reform soll Notaufnahmen entlasten und Wege der Patientinnen und Patienten neu ordnen. Zugleich beruhen die Warnungen vor einem „zahnlosen Tiger“ auf der Einschätzung von Praktikern, die fehlende Verbindlichkeit und Finanzierung als Hauptrisiken benennen. Die weitere Bewertung hängt davon ab, ob Bund, Länder, Krankenkassen und Leistungserbringer zeitnah verbindliche Finanzierungs- und Umsetzungsregeln festlegen.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).