Landesregierung Baden-Württemberg und Landeshauptstadt Stuttgart lassen die Zukunft der Württembergischen Staatstheater neu bewerten. Eine externe Expertenanhörung soll ab Anfang November Varianten, Kosten und Abläufe für Sanierung, Interim und mögliche Neubauoptionen systematisch prüfen. Moderiert wird das Verfahren vom früheren EU‑Kommissar Günther Oettinger. Die Auswertung bereits vorliegender Gutachten und Projektunterlagen bildet die Grundlage.
Auslöser der Neuordnung sind deutliche Kostensprünge und wachsende politische Vorbehalte gegen das bisherige Sanierungskonzept. In der Debatte kursieren Schätzungen von rund 1,5 bis zu 2 Milliarden Euro für das Gesamtvorhaben. Für den vorgesehenen Interimsspielort wurden zuletzt etwa 289 Millionen Euro genannt, der Werkstattneubau wurde mit gut 127 Millionen Euro beziffert. Die Zahlen sind abhängig von Baupreisentwicklung, Ausführungsstandard und Logistik.
Der bestehende Planungsansatz setzt auf die umfassende Sanierung des historischen Littmann-Opernhauses am bisherigen Standort, flankiert von einem Interim und neuen Werkstätten. Befürworter verweisen auf den Denkmalschutz, die kulturelle Bedeutung des Ensembles und die städtebauliche Einbindung. Kritiker halten dagegen, ein Neubau könne verlässlicher planbar sein und Risiken im Bestand umgehen; die CDU-Landtagsfraktion fordert daher ausdrücklich, die Neubauvariante gleichberechtigt zu prüfen.
Nach Angaben von Stadt und Land soll die Expertenrunde Fakten, Annahmen und Risiken transparent zusammenführen und Varianten objektiv gegenüberstellen. Sie ersetzt keine politische Entscheidung, schafft aber die Basis für weitere Beschlüsse von Gemeinderat und Land. Ein unmittelbarer Endentscheid über Finanzierung, Zeitplan und Baubeginn ist nicht angekündigt. Zuständige Ausschüsse, darunter der Finanzausschuss des Landtags, wurden bereits über den veränderten Prüfrahmen informiert.
Hintergrund der Kostendebatte sind neben dem Alter und der Komplexität des Littmann-Baus vor allem fortgesetzte Baupreissteigerungen, zusätzliche Anforderungen an Sicherheit, Klima- und Lärmschutz sowie an die Arbeits- und Produktionslogistik eines Mehrspartenhauses. Die Interessenlage ist entsprechend vielschichtig: Kulturverwaltung und Häuser pochen auf Betriebsfähigkeit und künstlerische Qualität, Finanzressorts auf Haushaltsdisziplin, die Kommunalpolitik auf Verlässlichkeit im Ablauf.
Als nächster Schritt werden die Fachleute die vorliegenden Varianten für Sanierung, Interim und einen möglichen Neubau in Machbarkeit, Kostenrahmen, Terminen und Risiken vergleichen. Erst danach steht eine politische Abwägung über den weiteren Kurs an. Stadt und Land betonen, dass die erneute Prüfung zwar Korrekturen am bisherigen Vorgehen nach sich ziehen kann, den Standort der Württembergischen Staatstheater in Stuttgart jedoch nicht in Frage stellt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).