Eine an der Hochschule Furtwangen durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass muffige Gerüche in Haushaltswaschmaschinen nicht auf einen einzelnen Erreger zurückgehen. Stattdessen deuten die Daten auf Unterschiede in der bakteriellen Gesamtmenge und Aktivität hin. Die Arbeit des Teams um den Mikrobiologen Markus Egert erschien am 28. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Applied Microbiology and Biotechnology; die Hochschule informierte am 8. September 2026 über die Ergebnisse.
Untersucht wurden 16 privat genutzte Maschinen in Deutschland, je acht mit und ohne von Nutzerinnen und Nutzern gemeldete Geruchsprobleme. Proben entnahmen die Forschenden standardisiert aus Einspülkammer, Bullaugendichtung und Sumpf. Für die Analyse setzten sie erstmals in diesem Kontext eine Nanopore‑Sequenzierung vollständiger 16S‑rRNA‑Gene ein und ergänzten sie durch quantitative PCR. Der wesentliche Befund: Das Artenspektrum der Bakterien war in beiden Gruppen ähnlich. Auch häufig genannte Kandidaten wie Moraxella osloensis ließen sich zwar insbesondere an Türdichtungen nachweisen, traten aber nicht signifikant häufiger in muffigen Maschinen auf. Dagegen zeigte sich ein Trend zu höheren Konzentrationen bakterieller DNA in als muffig wahrgenommenen Geräten.
Die Autorinnen und Autoren betonen die Grenzen der Aussagekraft: Die Fallzahl ist klein, die Geruchsbewertung subjektiv. Möglich sei zudem, dass seltene Arten mit starker Geruchsbildung, Biofilmstrukturen oder Unterschiede in der Genaktivität Gerüche beeinflussen. Als nächster Schritt werden größere Kollektive und funktionelle Ansätze wie metatranskriptomische Analysen vorgeschlagen. Die Studie macht damit keine allgemeingültige Kausalzuschreibung, sondern beschreibt Muster und Hypothesen.
Praktische Empfehlungen leitet das Team vorsichtig ab und ordnet sie in bekannte Hygieneregeln ein: Regelmäßige 60‑Grad‑Waschgänge mit bleichehaltigem Vollwaschmittel, das gründliche Trocknen der Trommel und das Reinigen zugänglicher Bauteile können die Keimlast verringern. Waschgewohnheiten mit häufig niedrigen Temperaturen, sehr sparsamen Programmen und bleichefreien Flüssigwaschmitteln begünstigen demnach mikrobielles Wachstum. Für Herstellerinnen und Hersteller lenken die Ergebnisse den Blick auf bauliche Details wie schlecht trocknende Zonen an der Bullaugendichtung oder in der Einspülkammer, die als Nischen für Biofilme dienen können.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher gilt damit: Ein einzelner „Stinker‑Keim“ ist nach der aktuellen Datenlage nicht der Haupttreiber. Wirksam sind vor allem einfache Reinigungs‑ und Trocknungsroutinen. Die mikrobiologischen Ursachen und Wechselwirkungen bleiben ein offenes Forschungsfeld, das in Folgestudien präziser geklärt werden soll.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).