Nach neuen Berichten zum Online-Netzwerk White Tiger verlangen Bündnis 90/Die Grünen eine koordinierte Antwort auf sogenannten „Extremismus ohne Ideologien“. Die Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger forderte am 30. Oktober 2026 in Der Spiegel eine klare Begriffsbestimmung, ein bundesweites Lagebild und verbindliche Meldeketten. Ziel sei es, Frühwarnzeichen systematisch zu erfassen und Zuständigkeiten zwischen Behörden und Präventionspartnern zu klären.
Schönberger nannte als zentrale Adressaten nicht nur Sicherheitsbehörden, sondern ausdrücklich das Umfeld von Kindern und Jugendlichen: Lehrkräfte, Jugendämter sowie Ärztinnen und Ärzte sollten in der Lage sein, Hinweise auf radikalisierte Gewaltmuster zu erkennen und an zuständige Stellen weiterzugeben. Polizei und Justiz bräuchten parallel geeignete Instrumente, um Netzwerke und Tatvorbereitung in digitalen Räumen zu identifizieren und zu verfolgen.
Das angesprochene Phänomen beschreibt ein Gewaltmilieu, das extreme Brutalität, Rekrutierung und Selbstdarstellung in den Vordergrund stellt – ohne zwingenden Bezug zu politischer oder religiöser Ideologie. Präventionsnetzwerke und Fachberichte ordnen dies als „nihilistisch“ oder „misanthropisch“ ein und verweisen auf eine starke Online-Vernetzung, etwa in Chats und über Telegram. In Medienberichten wurden dem Alias White Tiger seit 2025 Ermittlungen und Warnungen zugeschrieben; der Fall rückte 2026 erneut in den Fokus der Öffentlichkeit.
Nach Angaben aus dem Sicherheitsbereich gibt es für eine ressortübergreifende Antwort bisher Lücken: Innen- und Justizressorts betonen die Notwendigkeit belastbarer strafprozessualer Grundlagen und internationaler Kooperation, Bildungs- und Jugendbehörden verweisen auf begrenzte Ressourcen für flächendeckende Prävention. Konkrete gesetzesändernde Vorschläge legten die Grünen im Spiegel-Gespräch nicht vor; vorrangig ist aus ihrer Sicht zunächst ein Lagebild, das Definitionen, Datenbasis und Zuständigkeiten bündelt.
Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz sowie zivilgesellschaftliche Stellen haben auf regional und bundesweit vernetzte Szenen hingewiesen, die Gewalt als Selbstzweck idealisieren. Für eine trennscharfe Einstufung bleibt jedoch entscheidend, belastbare Kriterien zu entwickeln: Nicht jede Gewalttat ohne erkennbare Ideologie ist Teil eines extremistischen Phänomens. Künftige Leitlinien für Schulen und Jugendhilfe, standardisierte Meldewege und eine erweiterte Fallanalyse könnten helfen, Über- wie Untererfassung zu vermeiden und Opferschutz, Prävention und Strafverfolgung besser zu verzahnen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).