Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat am 2. Oktober 2026 die Kleine Anfrage 21/8317 zur Verbreitung, Struktur und zum Gefährdungspotenzial der sogenannten Active Clubs in Deutschland gestellt. Die Drucksache bündelt Fragen an die Bundesregierung zu Zahl und regionaler Verteilung der Gruppen, zu möglichen strafrechtlichen Auffälligkeiten sowie zur Zusammenarbeit von Bundes- und Landesbehörden.
Hintergrund der Initiative sind Einschätzungen des Bundesamts für Verfassungsschutz und mehrerer Landesämter für Verfassungsschutz, wonach sich seit 2024 ein dezentrales, rechtsextrem konnotiertes Kampfsportumfeld unter dem Label Active Clubs auch in Deutschland etabliert. Im Verfassungsschutzbericht 2024 wird auf eine wachsende, international vernetzte Szene verwiesen, die sportliche Trainings und Wettbewerbe als Kontakt- und Rekrutierungsräume nutzt. In sicherheitsanalytischen Berichten werden als Beispiele für transnationale Bezüge Veranstaltungen wie der Day of Glory in Frankreich genannt.
Die Kleine Anfrage verlangt unter anderem Auskunft darüber, wie viele lokale Ableger in Deutschland bekannt sind, in welchen Bundesländern sie auftreten, welche Kommunikations- und Veranstaltungsformate beobachtet werden und in welchem Umfang es straf- oder ordnungsrechtliche Verfahren gab. Gefragt wird außerdem nach gemeinsamen Lagebildern, nach dem Informationsaustausch zwischen Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Bundesamt für Verfassungsschutz und den Landesämtern für Verfassungsschutz sowie nach Präventions- und Aussteigerangeboten.
Sicherheitsbehörden betonen, dass Active Clubs keine rein sportlichen Zusammenschlüsse seien. Vielmehr werde Kampfsport teils als Türöffner in rechtsextreme Milieus instrumentalisiert, verbunden mit martialischer Selbstdarstellung in sozialen Medien und der Normalisierung von Gewaltmotiven. Zugleich weisen Behörden darauf hin, dass belastbare, flächendeckende Zahlen zu Straftaten oder zu eingestuften Gefährdern aus diesem Umfeld bislang nur begrenzt vorliegen. Die Bewertung der Gefahrenlage stützt sich daher stärker auf Kommunikationsmuster, Vernetzungslogiken und internationale Entwicklungen als auf statistisch breite Deliktserfassungen.
Mit der Anfrage zielt die Fraktion auf mehr Transparenz zu Beobachtungsstandards, Meldewegen und Ressourcen. Offene Punkte betreffen insbesondere die Abgrenzung zwischen legalen Sportangeboten und politisch aufgeladenen Organisationsformen, die Kooperation mit Veranstaltern und Vereinen sowie die Frage, wie jugend- und präventionspolitische Instrumente in diesem Feld wirksam eingesetzt werden können. Eine Regierungsantwort wird in der Parlamentsdokumentation erwartet; sie wäre Grundlage für die weitere parlamentarische Beratung und gegebenenfalls für Anpassungen bei Prävention, Aufklärung und Gefahrenabwehr.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).