Hamburg und Shanghai haben am 16. Oktober 2026 eine vertiefte Zusammenarbeit vereinbart. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) traf in Shanghai den höchsten Parteivertreter der Stadt, Chen Jining, und kündigte im Anschluss konkrete Projekte in Wirtschaft und Wissenschaft an. Der Besuch ist Teil einer Delegationsreise nach Vietnam und China anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft. Nach Angaben der Senatskanzlei umfasst die Delegation rund 30 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verwaltung.
Inhaltlich zielen die Absprachen auf mehr Austausch in zentralen Branchen: Erneuerbare Energien, maritime Wirtschaft und Luftfahrt sollen gezielt vernetzt werden. Zudem wurde eine engere Zusammenarbeit in Forschung und Gesundheitsprojekten skizziert. Das Universitätsklinikum Eppendorf und die Shanghai University of Traditional Chinese Medicine benannten gemeinsame Vorhaben, darunter Forschungsarbeiten zu einem Medikament mit Bezug zu COVID-19 sowie Strategien zur Verringerung von Nebenwirkungen bei Chemotherapien. Diese Projekte sind als beabsichtigte Kooperationen und Pilotvorhaben angekündigt; verbindliche Finanzierungen und Zeitpläne wurden nicht vollständig veröffentlicht.
Als Grundlage verweist der Senat auf das bestehende Memorandum 2024–2027, das Ziele und Schwerpunkte der Städtepartnerschaft definiert. Die aktuellen Gespräche sollen diese Rahmenvereinbarungen mit konkreten Maßnahmen unterlegen und weitere Projektpartner einbinden. Zugleich wurde bekräftigt, dass Hamburg die internationale Vernetzung seiner Wirtschaft erhalten und ausbauen will.
Tschentscher betonte, Deutschland dürfe sich nicht isolieren und müsse wirtschaftliche Beziehungen diversifizieren. Er räumte dabei Risiken kritischer Abhängigkeiten ein. In regionalen Berichten wurde dieser Kurs teils als weniger restriktiv gegenüber China beschrieben als die Linie der Bundesregierung. Diese Bewertung ist eine Einordnung der Berichterstattung; offizielle Beschlüsse des Bundes zur China-Politik wurden durch die Hamburger Reise nicht geändert.
Für Hamburg stehen handfeste Interessen im Vordergrund: Der Hafen als Drehscheibe der Containerlogistik, die starke Forschungslandschaft und die Gesundheitswirtschaft versprechen bei erfolgreicher Kooperation Zugang zu Märkten, Know-how und Innovationen. Kritische Stimmen verweisen auf geopolitische Spannungen, die Wahrung europäischer Standards und die Notwendigkeit, Abhängigkeiten zu begrenzen. Befürworter heben Exportchancen und gemeinsame Innovation hervor. Fest steht: Die nun angekündigten Vorhaben präzisieren die langjährige Städtepartnerschaft, bleiben aber vorerst Absichtserklärungen, deren Umsetzung an konkreten Verträgen und Budgets zu messen sein wird.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).