Das Israelitische Krankenhaus Hamburg (IKH) hat am 2. November 2026 erstmals eine Rektumresektion mit dem Single‑Port‑Operationssystem Shurui des Herstellers Surgerii Robotics durchgeführt. Der Eingriff erfolgte über einen einzigen Hautschnitt von rund zwei bis zweieinhalb Zentimetern, durch den eine 3D‑Kamera und biegsame Instrumente eingebracht wurden. Die Klinik wertet den Start als Erweiterung ihres robotisch assistierten Spektrums in der Viszeralchirurgie.
Nach Angaben des IKH könnten Patientinnen und Patienten von einem geringeren Gewebetrauma, potenziell niedrigeren Infektionsraten, weniger postoperativen Schmerzen und kleineren Narben profitieren. Die Klinik betont zudem Vorteile im engen Beckenraum, wo mehrere Zugänge technisch anspruchsvoll sind. Diese Einschätzungen stammen aus der Klinikmitteilung und wurden in ersten regionalen Berichten aufgegriffen. Belastbare Aussagen zur Überlegenheit gegenüber etablierten Verfahren lassen sich daraus nicht ableiten.
Shurui ist ein Single‑Port‑System mit flexiblen Instrumenten, das in Europa bislang nur an wenigen Zentren eingesetzt wird. In Deutschland nennt die öffentliche Kommunikation neben dem IKH auch die München Klinik Bogenhausen als frühes Anwenderzentrum, wo bereits Eingriffe mit dem System berichtet wurden. International verweisen Herstellerangaben und Klinikmeldungen auf vereinzelte Installationen sowie publizierte Fallberichte. Ein branchenweiter Standard ist das System nicht.
Für die Einordnung ist die Studienlage entscheidend: Aktuell dominieren Einzelfallberichte und kleine Serien. Vergleiche mit ausreichender statistischer Aussagekraft zu Komplikationsraten, onkologischen Ergebnissen, Aufenthaltsdauer, Lebensqualität und Kosten fehlen weitgehend oder laufen in Registern und Multizenterstudien an. Bis belastbare Daten vorliegen, bleibt unklar, in welchen Indikationen ein Single‑Port‑System messbare Vorteile gegenüber mehrportigen Robotern oder konventioneller Laparoskopie erzielt.
Rechtlich und organisatorisch gelten die üblichen Anforderungen: Kliniken prüfen die geltenden Zulassungsindikationen, die lokale Genehmigungslage und ihre Qualifikations- und Dokumentationspflichten, bevor sie neue robotische Plattformen über Pilotfälle hinaus einsetzen. Das IKH will nach eigenen Angaben Erfahrungen sammeln und Ergebnisse systematisch auswerten.
Mit der Premiere am IKH setzt Hamburg einen sichtbaren Akzent in der robotisch assistierten Viszeralchirurgie. Ob sich daraus ein dauerhafter klinischer und gesundheitsökonomischer Nutzen ergibt, werden laufende Fallserien, Registerdaten und unabhängige Vergleichsstudien zeigen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).