Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sieht eine beschleunigte Vergabe von Facharztterminen für objektiv dringende Fälle als machbar an. Anlass ist eine aktuelle Einschätzung vom 12. September 2026. Demnach ließen sich solche Fälle organisatorisch und technisch priorisieren, sofern sie ärztlich eindeutig als dringend eingestuft sind. Nach Darstellung der KBV werden Termine bereits heute nach medizinischer Notwendigkeit vergeben; für eine verlässliche und flächendeckende Steuerung brauche es jedoch klare Dringlichkeitskriterien, verbindliche Regeln und eine auskömmliche Vergütung der Praxen.
Als vorhandene Instrumente nennt die KBV die bundesweite Nummer 116117 und digitale Ersteinschätzungen. Darüber können Fälle vorsortiert und in der Terminvergabe höher priorisiert werden. Voraussetzung ist aus Sicht der Ärzteschaft, dass die Ersteinschätzung medizinisch fundiert bleibt und nicht zu zusätzlichen bürokratischen Hürden in den Praxen führt. Zugleich warnt die KBV vor negativen Folgen geplanter Einschnitte: Kürzungen im Rahmen des sogenannten GKV-Sparpakets könnten verfügbare Sprechstunden reduzieren, wenn Honorare sinken oder Budgets enger gefasst werden. Eine punktuelle Bevorzugung dringender Fälle dürfe nicht als Ersatz für eine ausreichende Finanzierung der ambulanten Versorgung verstanden werden, heißt es aus der KBV.
In der Politik wird über zusätzliche Ansprüche auf rasche Facharzttermine diskutiert. Eine pauschale gesetzliche Termingarantie lehnt die KBV ab. Sie argumentiert, solche Zusagen weckten Erwartungen, die sich mit knappen personellen und finanziellen Ressourcen nicht dauerhaft erfüllen ließen. Stattdessen wird eine präzise Definition der medizinischen Dringlichkeit gefordert, um tatsächlich akute Fälle zügig zu versorgen, ohne planbare Behandlungen unverhältnismäßig zu verdrängen. Bereits bestehende Terminservicestellen und die Steuerung über 116117 sollen dabei gezielter genutzt werden.
Offen bleibt, wie verbindliche Dringlichkeitskriterien, Vergütungsregelungen und technische Steuerungsverfahren konkret ausgestaltet werden. Die KBV signalisiert Bereitschaft, gemeinsam mit Hausärzten und Fachärzten Abläufe zu straffen und Schnittstellen zwischen telefonischer Ersteinschätzung, digitaler Steuerung und Praxisorganisation zu verbessern. Politische Entscheidungen zu Finanzierung und rechtlichem Rahmen gelten dabei als ausschlaggebend. Nach KBV-Einschätzung sind die Voraussetzungen für schnellere Facharzttermine bei klarer medizinischer Dringlichkeit vorhanden; über Umfang, Umsetzungstempo und Begleitfinanzierung muss jedoch zeitnah entschieden werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).