In Kiel haben Medienprofis am 14. Oktober 2026 über konkrete Strategien gegen Desinformation und täuschend echte Deepfakes im Regionaljournalismus beraten. Die Podiumsdiskussion „Fakt oder Fake? – Regionaljournalismus im KI‑Zeitalter“ fand in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek statt und wurde vom NDR organisiert. Sie gehörte zum Programm der Hamburger Woche der Pressefreiheit.
Im Zentrum standen drei beobachtete Problemfelder: Erstens steigt die technische Qualität synthetischer Bilder, Videos und Tonspuren. Zweitens verbreiten sich solche Inhalte über soziale Plattformen mit hoher Geschwindigkeit. Drittens verfügen viele Lokalredaktionen nur über begrenzte Ressourcen für aufwendige Verifikation. Nach Angaben der Teilnehmenden kursierten zuletzt auch in kommunalpolitischen Debatten gefälschte Bilder und manipulierte Zitate, die Vertrauen in politische Akteure und Medien untergraben können.
Als Gegenmittel nannten die Diskutierenden erprobte Verifikationsverfahren, engere Kooperationen zwischen Redaktionen und Faktenprüfern sowie präventive Medienbildung. Der NDR stellte eigene Verifikationsressourcen und Ausbildungsangebote vor. Mehrere Redaktionen betonten die Bedeutung lokaler Netzwerke, dokumentierter Primärquellen und transparenter Arbeitsabläufe, um zweifelhafte Materialien rasch einzuordnen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Podium warnten zugleich vor einer einseitigen Fixierung auf Tools: Algorithmische Werkzeuge könnten Hinweise liefern, müssten aber stets durch menschliche Prüfung und Kontextwissen ergänzt werden.
Rechts- und Politikfragen wurden klar von redaktionellen Maßnahmen getrennt. Zur Debatte standen etwa Kennzeichnungsregeln für synthetische Inhalte und strengere Haftungsregeln für Plattformbetreiber. Diese wurden als mögliche Ergänzungen bewertet, nicht als Ersatz für redaktionelle Standards. Konkrete Gesetzesvorschläge beschloss die Runde nicht; die Veranstaltung diente dem Erfahrungsaustausch und der Formulierung von Empfehlungen aus der Praxis.
Für den Regionaljournalismus in Schleswig-Holstein ergibt sich daraus ein priorisiertes Vorgehen: erstens der Ausbau gemeinsamer Verifikationsstrukturen, zweitens kontinuierliche Fortbildungen in Redaktionen und drittens breit angelegte Angebote zur Medienkompetenz für die Öffentlichkeit. Nach Einschätzung der Teilnehmenden stärkt es Vertrauen, wenn Redaktionen Schritte der Verifikation sichtbar machen, Quellenlage und Unsicherheiten offen benennen und Korrekturen nachvollziehbar dokumentieren. Die Diskussion in Kiel unterstrich, dass technische, redaktionelle und politische Ansätze parallel weiterentwickelt werden müssen, um lokale Öffentlichkeit und demokratische Debatten in Zeiten immer überzeugender Deepfakes zu schützen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).