Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter hat Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz scharf kritisiert. In einer ZDF-Sendung, deren Aussagen in der Nacht zum 7. November deutscher Zeit bekannt wurden, warf Kiesewetter Merz „Dilettantismus“ und mangelndes „Fingerspitzengefühl“ vor. Das berichtete der Deutschlandfunk unter Berufung auf den Fernsehauftritt.
Kiesewetter monierte insbesondere den Umgang der Parteispitze mit der Debatte über die Nachfolge im Amt des Bundespräsidenten. Es sei „schädlich“, Namen möglicher Kandidatinnen und Kandidaten öffentlich zu lancieren, ohne zuvor intern Einvernehmen herzustellen. Das beschädige die Genannten und erschwere eine geordnete Vorbereitung. Als mögliche Kandidatin nannte Kiesewetter die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Ilse Aigner. Er verwies auf parteiinterne Gepflogenheiten, wonach die Unionsparteien traditionell eine Schlüsselrolle bei der Kandidatensuche spielen, auch wenn die Entscheidung formal der Bundesversammlung obliegt.
Die Bundesversammlung soll am 30. Januar 2027 zusammentreten, um das Staatsoberhaupt zu wählen. Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier kann nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Die öffentliche Diskussion über mögliche Nachfolgerinnen und Nachfolger hat deshalb deutlich an Fahrt aufgenommen.
Die Kritik fällt in eine Phase anhaltender Debatten über Kurs und Führungsstil der CDU. Seit dem Sommer 2026 belasten schwache Umfragewerte und verlorene Landtagswahlen die Union. Beobachter werten Kiesewetters Auftritt als weiteres Signal, dass es in Teilen der Partei Unmut über Entscheidungsprozesse und Kommunikation an der Spitze gibt. Konkrete personelle Konsequenzen wurden in dem Zusammenhang nicht bekannt.
Aus dem Umfeld von Merz hieß es, es brauche eine handlungsfähige Regierung und Führung – eine direkte Reaktion des Kanzlers auf die Vorwürfe lag zunächst nicht vor. Aus der CDU-Spitze wurde zugleich betont, dass offene Auseinandersetzungen über Personal und Linie Teil innerparteilicher Willensbildung seien, ohne dass daraus automatisch Wechsel in Ämtern folgten.
Die Zuschreibungen sind klar zu trennen: Kiesewetter spricht Merz „Dilettantismus“ und mangelndes „Fingerspitzengefühl“ zu; daraus leiten politische Beobachter mögliche Belastungen für die interne Geschlossenheit und die Regierungsarbeit ab. Faktisch steht in den kommenden Wochen die Kandidatensuche für das Bundespräsidentenamt an, die traditionell diskret verläuft. Ob die nun offen entbrannte Debatte das Verfahren beschleunigt oder erschwert, bleibt vorerst offen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).