Die finnische Zellbiologin Sara Wickström hat am 18. September 2026 in Hamburg den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft erhalten. Die Körber-Stiftung würdigte damit Wickströms Beiträge zur Mechanobiologie: Sie erforscht, wie Zellen mechanische Reize wie Druck und Dehnung wahrnehmen und wie diese Kräfte über Signalwege und epigenetische Veränderungen im Zellkern das Verhalten von Geweben prägen. Die Preisverleihung fand im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses statt.
Wickström leitet die Abteilung Cell and Tissue Dynamics am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und ist Professorin an der Universität Münster. Nach Angaben der Körber-Stiftung zeigen ihre Arbeiten, dass physikalische Signale das Schicksal von Stammzellen mitbestimmen und damit entscheidend zur Form und Funktion von Organen beitragen. Fachkollegen sehen darin Grundlagen, die langfristig neue Ansätze für die Krebsforschung und die Regenerationsmedizin eröffnen könnten; konkrete Therapien leiten sich daraus derzeit nicht ab.
Mechanobiologie untersucht die Übersetzung von Kräften in biochemische Prozesse. Wickström und ihr Team analysieren etwa, wie Zellen über Strukturen des Zytoskeletts und über Kontakte zur extrazellulären Matrix mechanische Informationen aufspüren. Diese Signale beeinflussen Genaktivität und Chromatinorganisation im Zellkern und damit Differenzierung, Teilung und Gewebeerneuerung. Die Forschung kann erklären helfen, warum Tumoren ihre Umgebung aktiv umbauen und welche Rolle mechanische Eigenschaften der Gewebe bei Metastasen spielen.
Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft wird seit 1985 jährlich in Hamburg verliehen. Er zählt zu den höchstdotierten Forschungsauszeichnungen in Europa und soll exzellente wissenschaftliche Leistungen sichtbar machen. Die Auszeichnung für Wickström unterstreicht die wachsende Bedeutung der Mechanobiologie als Bindeglied zwischen Physik und Lebenswissenschaften und hebt zugleich die Rolle deutscher Forschungsstandorte wie Münster hervor.
Die Körber-Stiftung betont den doppelten Ertrag der prämierten Arbeiten: Sie erweitern das Verständnis grundlegender biologischer Prinzipien und liefern Anknüpfungspunkte für medizinische Anwendungen. Aussagen über therapeutische Wirksamkeit bleiben jedoch ausdrücklich Perspektiven für künftige Forschung. Damit ordnet die Stiftung die Ergebnisse klar als grundlagenorientiert ein, während mögliche Anwendungen in Onkologie und Gewebereparatur als begründete, aber noch nicht klinisch erprobte Aussichten beschrieben werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).