Mit dem einsetzenden Kranichzug Anfang Oktober rufen Fachbehörden in Deutschland zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Das Friedrich-Loeffler-Institut und das Robert Koch-Institut bewerten das Risiko saisonal steigender Einträge von Erregern der Geflügelpest in Hausgeflügelbestände weiterhin als erhöht. Hintergrund ist die anhaltende Zirkulation hochpathogener Aviärer-Influenza-Viren vom Subtyp H5 in europäischen Wildvogelpopulationen seit dem Herbst 2025.
Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts ist der Erreger bei Wildvögeln dauerhaft präsent. Die von der Bundesforschungsanstalt geführten Übersichten zu Nachweisen und Ausbrüchen zeigen regelmäßig Verdichtungen im Zeitraum des Vogelzugs. Dabei gilt: Tote Wildvögel bilden das Infektionsgeschehen nur teilweise ab; auch asymptomatisch infizierte Tiere können Viren ausscheiden. Das Robert Koch-Institut betont zugleich, dass humane Infektionen in Deutschland selten sind, meldepflichtig bleiben und in der Regel engen Kontakt zu erkranktem Geflügel oder stark kontaminierten Umgebungen voraussetzen.
Kraniche nutzen auf ihren Routen großflächige Feuchtgebiete und Rastplätze, an denen sie mit anderen Wildvögeln zusammentreffen, die als Reservoirwirte fungieren können. Für die Geflügelhaltung bedeutet der Herbstzug ein erhöhtes Eintragsrisiko über kontaminierte Oberflächen, Futter oder Wasser. Bundes- und Landesbehörden erinnern deshalb an Biosicherheitsmaßnahmen: Futter- und Tränkeeinrichtungen sind so zu sichern, dass kein Kontakt zu Wildvögeln entsteht; Zugänge zu Ställen und Ausläufen sollten gegen Eintrag von Kot und Federn geschützt werden. Auffällige Todesfälle bei Wildvögeln oder in Beständen sind den Veterinärämtern zu melden. Je nach lokaler Lage kann eine vorübergehende Aufstallung angeordnet werden.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher gelten die bekannten Empfehlungen zur Lebensmittelhygiene fort. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist der Verzehr von ordnungsgemäß erhitzten Geflügelprodukten nach derzeitigem Kenntnisstand kein Infektionsweg. Das Friedrich-Loeffler-Institut und die Landesveterinärbehörden aktualisieren ihre Lageübersichten fortlaufend; maßgeblich sind die jeweiligen Allgemeinverfügungen vor Ort.
Kurzfristig rechnen Fachleute mit weiteren Nachweisen bei Wildvögeln und vereinzelten Ausbrüchen in Geflügelhaltungen. Prognosen zum Verlauf der Saison bleiben vorsichtig: Wetter, Rastplatznutzung und Populationsdynamik der Wildvögel beeinflussen die Viruszirkulation erheblich. Klar ist jedoch, dass Prävention, konsequente Meldungen und schnelle behördliche Maßnahmen entscheidend sind, um eine Ausbreitung zu begrenzen – gerade jetzt zu Beginn des Zuges in Regionen mit großen Rastbeständen wie in Rheinland-Pfalz und Brandenburg.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).