Mecklenburg-Vorpommern weist nach neuen Auswertungen der Krankenkassen und Landesbehörden weiterhin eine höhere Krankheitslast auf als der Bundesdurchschnitt. Für das Jahr 2025 werden für Beschäftigte im Land im Mittel rund 23 bis 24 Kalendertage Arbeitsunfähigkeit gemeldet. Der Krankenstand lag je nach Bericht zwischen 6,3 und 6,6 Prozent und damit klar über dem bundesweiten Niveau von etwa 5 Prozent. Grundlage sind aktuelle Gesundheitsberichte der Techniker Krankenkasse und der DAK-Gesundheit sowie fortlaufende Meldedaten des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern.
Die Gründe sind nach übereinstimmender Einschätzung der Berichte vielfältig. Erstens prägt die Demografie die Statistik: Mecklenburg-Vorpommern hat einen überdurchschnittlichen Anteil älterer Einwohnerinnen und Einwohner, was mit mehr chronischen Erkrankungen und häufigeren multimorbiden Verläufen einhergeht. Zweitens verweisen Analysen auf regionale Deprivation. Strukturschwächere Wohn- und Arbeitsbedingungen, geringere Einkommen und Bildungsniveaus sowie ein begrenzter Zugang zu Präventions- und Bewegungsangeboten erhöhen das Erkrankungsrisiko. Hinweise liefern dazu Auswertungen aus der Nationalen Kohorte (NAKO) und dem Gesundheitsatlas Deutschland, die im Nordosten höhere Prävalenzen etwa bei Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschreiben.
Drittens verschieben sich Krankheitsmuster. Während saisonale Atemwegsinfekte zuletzt phasenweise abnahmen, nehmen Fehlzeiten durch muskuloskelettale Erkrankungen und psychische Belastungen zu. Zugleich berichten Einrichtungen der Versorgung über Personalengpässe, die regionale Versorgungslücken und längere Wartezeiten befördern können. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern (LAGuS) dokumentiert zudem fortlaufend Meldezahlen zu Infektions- und chronischen Erkrankungen, die die anhaltende Belastung stützen.
Politisch relevant sind die abgeleiteten Handlungsempfehlungen. Die Techniker Krankenkasse und die DAK-Gesundheit betonen Prävention im Arbeitsumfeld, insbesondere ergonomische Maßnahmen und Programme zur psychischen Gesundheit. Empfohlen werden außerdem eine Stärkung der hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung in ländlichen Räumen, der Ausbau von Rehabilitationsangeboten sowie kommunale Gesundheitsförderung mit niedrigschwelligen Angeboten. Ob und in welchem Umfang Landes- und Kommunalpolitik diese Vorschläge umsetzen, ist eine offene Frage; Aussagen zu künftigen Effekten bleiben Prognosen und müssen separat belegt werden.
Im Vergleich zu Vorjahren bleibt der Abstand zum Bund bestehen, auch wenn einzelne Indikatoren schwanken. Die aktuelle Datenlage verdeutlicht einen strukturellen, nicht nur kurzfristigen Befund: Ein dauerhaft höherer Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern erfordert langfristige Investitionen in Prävention, Versorgung und Arbeitswelt, flankiert von sozialpolitischen Ansätzen gegen regionale Deprivation.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).