Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zeichnet die Mikrobiologin Regine Kahmann mit der Cothenius-Medaille für ihr wissenschaftliches Lebenswerk aus. Die Verleihung findet am 24. September 2026 im Rahmen der Jahresversammlung der Leopoldina in Halle an der Saale statt. Kahmann stammt aus Stolpe an der Peene im Landkreis Vorpommern-Greifswald.
Kahmanns Forschung prägt seit Jahrzehnten das Verständnis der Interaktion zwischen Krankheitserregern und ihren Wirten. International bekannt wurde sie durch Arbeiten zum Maisbeulenbrand-Pilz Ustilago maydis. Sie zeigte, wie dieser Pilz pflanzliche Abwehrreaktionen unterläuft und den Stoffwechsel von Maispflanzen so umprogrammiert, dass Tumoren entstehen. Diese Mechanismen liefern Ansatzpunkte für Strategien, Ertragsverluste in der Landwirtschaft zu verringern und bieten Grundlagenwissen für die Pflanzen- und Infektionsforschung. Zuvor befasste sich Kahmann unter anderem mit Bakteriophagen und anderen Viren und verband Genetik, Zellbiologie und Pathogenese zu einem Forschungsprogramm, das über die Pflanzenpathologie hinaus wirkt.
Die Cothenius-Medaille geht auf eine Stiftung des Arztes Christian Andreas von Cothenius (1708–1789) zurück und zählt zu den höchsten Auszeichnungen der Leopoldina. Mit der Ehrung würdigt die Akademie Personen, die ein Fachgebiet über lange Zeit maßgeblich geprägt haben. Für 2026 hebt die Leopoldina Kahmanns Beiträge zu den Infektionsstrategien von Viren und Pilzen hervor und deren Bedeutung für die Aufklärung von Wirt-Erreger-Beziehungen.
In Deutschland ist Kahmanns Arbeit sowohl für die Grundlagenforschung als auch für anwendungsnahe Felder bedeutsam. Erkenntnisse zu Ustilago maydis tragen dazu bei, biologische Schwachstellen von Erregern zu identifizieren und Resistenzstrategien in Kulturpflanzen gezielter zu entwickeln. Solche Perspektiven gelten als mögliche Folgen der Forschung; konkrete Anwendungen hängen von weiteren Schritten in Züchtung und Praxis ab.
Kahmann war viele Jahre in leitenden Funktionen tätig, darunter als Direktorin am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg und als Professorin an der Philipps-Universität Marburg. Sie ist Mitglied der Leopoldina und weiterer Fachgesellschaften. Die Auszeichnung in Halle an der Saale unterstreicht die Sichtbarkeit pflanzen- und mikrobiologischer Forschung aus Deutschland in einem internationalen Kontext.
Die Jahresversammlung der Leopoldina bündelt traditionell Ehrungen und Fachdebatten. In diesem Jahr bildet die Verleihung der Cothenius-Medaille an Regine Kahmann einen der Höhepunkte des Programms.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).