Aktuelle Indikatoren sprechen für einen Anstieg testamentarischer Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen in Deutschland. Stiftungsverbände berichten von mehr Anfragen und Zustiftungen, während das Statistische Bundesamt zuletzt steigende steuerlich erfasste Erwerbe aus Erbschaften und Schenkungen meldete. Zusammen verweisen diese Signale auf ein größeres Potenzial, dass Erblasser Stiftungen im Testament oder per Vermächtnis berücksichtigen.
Die Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik des Statistischen Bundesamts weist für die jüngsten verfügbaren Jahre deutlich höhere Übertragungsvolumina aus. Das Amt erfasst zwar keine gesonderten Quoten für Zuwendungen an Stiftungen, doch das wachsende Gesamtvolumen erhöht rechnerisch den Spielraum für gemeinnützige Zwecke. Parallel berichtet das Deutsche Stiftungszentrum über anhaltenden Zulauf bei Informationsangeboten, insbesondere zu Nachlassgestaltung, Testamentsformen und praktischer Abwicklung. Auch Banken und Beratungen verzeichnen intensivere Gespräche zur generationenübergreifenden Vermögensplanung; eine Studie der Deutsche Bank von 2024 betont die wachsende Bedeutung strukturierter Nachlassregelungen.
Gleichzeitig bleibt die Ausgangsbasis heterogen. Laut dem Deutschen Zentrum für Altersfragen verfügt nur ein Teil der Menschen in der zweiten Lebenshälfte über ein Testament. Zudem bilden höhere nominale Erbschafts- und Schenkungswerte nicht automatisch einen größeren Anteil für den gemeinnützigen Sektor ab: Ausschlaggebend sind individuelle Entscheidungen, klare rechtliche Gestaltung und die Kenntnis der Abgrenzung zwischen Testament, Vermächtnis, Zustiftung und gegebenenfalls Familienstiftung. Fachleute raten zu eindeutigen Formulierungen, frühzeitiger Abstimmung mit der gewünschten Empfängerorganisation und zur Prüfung der steuerlichen Folgen.
Politisch-rechtliche Rahmenbedingungen setzen zusätzliche Impulse. Die Reform des Stiftungsrechts seit 2023 hat Vereinheitlichungen gebracht, die die Verwaltung von Stiftungen transparenter und planbarer machen sollen. Verbände sehen darin eine Unterstützung für langfristige Förderzusagen, etwa im Natur- und Umweltschutz oder in der Kinder- und Jugendhilfe, die häufig aus testamentarischen Mitteln gespeist werden.
Für die Zivilgesellschaft bedeuten wachsende Nachlasszuwendungen vor allem langfristigere Finanzierung und mehr Stabilität in Programmen. Zugleich steigt der Bedarf an professioneller Stiftungsverwaltung, an klarer Berichterstattung gegenüber Zugehörigen und potenziellen Zustiftern sowie an Informationsangeboten für Erblasser. Prognosen bleiben jedoch unsicher: Künftige Entwicklungen hängen wesentlich von Demografie, Inflationsverlauf, Kapitalmarktbedingungen und Steuerrecht ab. Fest steht lediglich, dass das höhere Übertragungsvolumen und die spürbar gestiegene Aufmerksamkeit für Nachlassfragen die Rolle von Stiftungen im Erbe vieler Haushalte stärken können.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).