Aktuell

Mercedes warnt vor Schließung zweier deutscher Werke ohne Kostensenkung

Mercedes-Benz hat auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen vor möglichen Werksschließungen gewarnt, falls die Arbeitskosten nicht sinken. Die Aussage verschärft den Konflikt vor der Tarifrunde.

Mercedes-Benz hat am 21. September 2026 auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen vor möglichen Schließungen von zwei Werken in Deutschland gewarnt, falls die Arbeitskosten nicht deutlich sinken. Ein Konzernsprecher bestätigte die Aussage gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Konkrete Standorte oder ein Zeitplan wurden nicht genannt. Nach Unternehmensangaben geht es um die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Fertigungen im Vergleich zu Auslandswerken unter hohem Kostendruck.

Die Warnung fällt in die Vorphase der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie im Oktober. In dem Konflikt stehen Lohnniveau, Arbeitszeit und Flexibilitätsanforderungen im Mittelpunkt. Die IG Metall mobilisierte am 21. September zu einem Aktionstag mit Kundgebungen an mehreren Standorten. Sie kritisiert insbesondere Überlegungen, die wöchentliche Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu verlängern, und warnt vor einer Aushöhlung der 35-Stunden-Woche.

Nach übereinstimmenden Darstellungen aus Management und Arbeitnehmervertretungen laufen Gespräche über Anpassungen bei Arbeitszeit, Schichtmodellen und möglichen Strukturmaßnahmen. Der Vorstand verweist dabei auf die Notwendigkeit, Kosten zu senken, um in einem globalen Umfeld investitions- und wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Gewerkschaft hält dagegen, dass Einschnitte bei Entgelt oder Sozialstandards Kaufkraft und Qualifikation schwächen und strukturelle Probleme nicht lösen.

Ökonomisch steht die deutsche Autoindustrie vor mehreren Belastungen: gestiegene Energie- und Produktionskosten, intensive Konkurrenz aus China, Wechselkursrisiken sowie hohe Investitionen in Elektromobilität und Software. Unternehmen argumentieren, höhere Produktivität und effizientere Werke seien Voraussetzung, um Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Beschäftigtenvertreter fordern hingegen, die Transformation über Qualifizierung, Standortsicherungsabkommen und planbare Investitionen abzusichern.

Verbindliche Beschlüsse über Werksschließungen liegen nach Unternehmensangaben nicht vor. Die nun öffentlich gemachte Drohkulisse ist politisch und tariflich bedeutsam: Sollten Geschäftsleitung und Aufsichtsgremien konkrete Maßnahmen anstreben, wären Betriebsräte, Tarifparteien und je nach Eingriff auch Landesbehörden einzubeziehen. Für Zulieferer, Kommunen und regionale Arbeitsmärkte hätte bereits eine Teilverlagerung spürbare Folgen.

Was als gesichert gilt: Die Äußerung stammt aus der Betriebsversammlung in Sindelfingen und wurde vom Unternehmen bestätigt. Was umstritten ist: Ausmaß, Tempo und Instrumente möglicher Kostensenkungen, insbesondere Eingriffe in Arbeitszeit und Entgelt. Was offen ist: Welche Standorte betroffen wären und ob die Tarifrunde im Oktober einen Kompromiss ermöglicht, der betriebliche Effizienz und tarifliche Sicherheiten zugleich berücksichtigt.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk