Aktuelle Messungen am 4. Oktober 2026 zeigen: Die Spaltbewegungen im Gipfelbereich des Hochvogel in den Allgäuer Alpen beschleunigen sich. Nach Angaben der Technischen Universität München (TUM) deuten Daten aus den vergangenen Monaten darauf hin, dass der Prozess zu einem größeren Felssturz begonnen hat. Bereits im Juni 2026 war es zu einem Abbruch mit geschätzten rund 2.000 Kubikmetern gekommen.
Die Forschenden berichten von für diesen Standort ungewöhnlich hohen Bewegungsraten. Im Frühjahr wurden mit Sensoren zeitweise etwa fünf Millimeter pro Woche registriert. Beim aktuellen Einsatz tauschte das Team beschädigte Instrumente aus; ein Bewegungssensor war nach einem Blitzschlag defekt. Zudem wurde an der Südwestkante ein neuer Riss dokumentiert, intern als „Spalt 6“ geführt, an dem besonders hohe Verformungen auftreten. Der Hochvogel zählt mit mehr als 30 installierten Messgeräten zu den am umfassendsten überwachten Felsköpfen in Bayern. Das Monitoring ist Teil des Programms AlpSense der TUM.
Die Universität betont, dass die erwarteten Abgänge überwiegend in unbewohntes Gelände zielen. Gleichwohl warnen die Fachleute vor der möglichen Dimension eines künftigen Ereignisses: Aus Modellrechnungen und Felddaten lasse sich ein potenzielles Abbruchvolumen im Bereich mehrerer hunderttausend Kubikmeter ableiten. Diese Schätzung ist mit Unsicherheiten behaftet und erlaubt keine Aussage zum Zeitpunkt eines größeren Felssturzes.
Behörden und Bergrettung sind eingebunden. Mehrere Zugänge bleiben gesperrt, darunter der Anstieg aus dem Tiroler Hornbachtal, wo bei größeren Abbrüchen mit Geröllablagerungen zu rechnen ist. Auf bayerischer Seite betrifft dies auch Zustiege im Raum Bad Hindelang; betroffene Wege wurden in Zusammenarbeit mit der Bergrettung gesichert oder geschlossen. Das nahe gelegene Prinz-Luitpold-Haus dient den Teams als logistischer Stützpunkt für Mess- und Erkundungsflüge mit Drohnen.
Als Hauptursache der jüngsten Beschleunigung sehen Geologinnen und Geologen die fortschreitende Erwärmung in Hochlagen und den damit verbundenen Rückgang des Permafrosts. Das schwächt Felsverbände und begünstigt das Öffnen bestehender Klüfte. Nach TUM-Angaben wird die Überwachung nun verdichtet – unter anderem mit Infrarotaufnahmen, Photogrammetrie und zusätzlichen In-situ-Sensoren –, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Sperrungen gegebenenfalls anzupassen.
Die Einordnung stützt sich auf Mitteilungen der Technischen Universität München und auf regionale Berichte. BR24 hatte am Sonntag über den Stand der Messkampagne informiert; die TUM verweist auf fortlaufende Auswertungen und regelmäßige Lageabsprachen mit den zuständigen Stellen in Bayern und Tirol.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).