Wenige Tage nach dem Ende des Oktoberfests melden Arztpraxen und das Gesundheitsreferat München eine Zunahme akuter Atemwegsinfekte. In der Öffentlichkeit wird dafür seit Jahren der Begriff Wiesn-Grippe verwendet. Nach derzeitigem Kenntnisstand handelt es sich überwiegend um gewöhnliche Erkältungen, SARS-CoV-2 und RSV. Ein flächendeckender, labordiagnostisch bestätigter Influenza-Ausbruch im Anschluss an die Wiesn ist nach aktuellen Meldungen nicht belegt.
Das Robert Koch-Institut verweist darauf, dass die Routinedaten zu akuten Atemwegserkrankungen saisonalen Schwankungen unterliegen. Leicht verlaufende Infekte werden zudem häufig nicht labordiagnostisch abgeklärt und erscheinen daher in Meldestatistiken nur eingeschränkt. Auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit betont, dass kurzfristige Anstiege nach Großveranstaltungen statistisch wiederkehrend sind und nicht automatisch auf eine erhöhte Influenza-Zirkulation schließen lassen.
Historische Auswertungen zeigen, dass sich nach der Wiesn in München regelmäßig mehr Menschen mit Erkältungssymptomen krankmelden. Dieser Effekt fällt je nach Erregermix und Saison unterschiedlich aus. Für die laufende Saison liegen den Behörden zufolge bislang keine Hinweise auf ungewöhnlich hohe, bestätigte Influenza-Nachweise im direkten Zusammenhang mit dem Oktoberfest vor. Aussagekräftig werden die kommenden Wochenberichte und Laborbefunde sein, die den Anteil einzelner Erreger – einschließlich Influenza – genauer ausweisen.
Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München haben für die aktuelle Saison eine systematische Erhebung angekündigt, um das Zuschreibungsphänomen Wiesn-Grippe mit Labordaten zu hinterlegen. Geplant ist, Abstriche von symptomatischen Personen auszuwerten und den Einfluss von Faktoren wie Menschenmenge, internationaler Mobilität und Impfstatus zu untersuchen. Ziel ist eine belastbare Einschätzung des Erregermixes und möglicher Folgewirkungen für die Grippesaison.
Für die Praxis raten Fachleute zu gezielter Prävention. Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe sollten die saisonale Influenza-Impfung sowie die jeweils empfohlenen Auffrischungen gegen SARS-CoV-2 in Anspruch nehmen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts baut sich der Impfschutz in der Regel innerhalb von zehn bis vierzehn Tagen auf. Unabhängig vom Impfstatus vermindern einfache Hygieneregeln – gründliches Händewaschen, Husten- und Niesetikette, bei Symptomen Kontakte reduzieren – die Weitergabe respiratorischer Erreger in dicht gefüllten Räumen.
Der Anstieg von Atemwegserkrankungen in München ist damit belegbar, ein dominanter Influenza-Treiber durch das Oktoberfest derzeit jedoch nicht. Die weitere Entwicklung lässt sich erst mit fortlaufenden Laboranalysen und den Wochenberichten von Robert Koch-Institut und Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit belastbar beurteilen.
Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).