Bayern

Netzpaket verschärft Regeln in Engpassgebieten – Solarparks tragen mehr Risiko

Ein Entwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium sieht für überlastete Netzgebiete weniger Entschädigung bei Abregelung und strengere Anschlussvorgaben vor. Branchenverbände und Bayern warnen vor Investitionshemmnissen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz treibt mit einem als Netzpaket bezeichneten Entwurf die Neuordnung von Netzanschluss und Einspeisemanagement voran. Nach Angaben aus dem laufenden Konsultationsverfahren, das seit Anfang 2026 im Parlament und mit Verbänden diskutiert wird, zielt das Paket darauf, den Ausbau erneuerbarer Energien mit dem stockenden Netzausbau zu synchronisieren. Kernstück ist ein Redispatch‑Vorbehalt für kapazitätslimitierte Netzgebiete: Betreiber neuer Wind- und Photovoltaikanlagen hätten dort keinen Anspruch auf Entschädigung, wenn ihre Erzeugung zur Vermeidung von Netzüberlastungen abgeregelt wird. Grundlage der Änderungen ist das Energiewirtschaftsgesetz; konkrete Kriterien für die Ausweisung der betroffenen Gebiete sollen noch festgelegt werden.

Für Solarparks in Regionen mit hohen Leistungsspitzen – etwa an sonnigen Tagen in Süddeutschland – verschiebt der Entwurf das wirtschaftliche Risiko. Der Anschluss neuer Freiflächenanlagen könnte teurer und unsicherer werden, wenn häufiger ohne Ausgleich abgeregelt wird. Das Ministerium begründet die Neuregelung damit, Fehlanreize zu vermeiden und Systemkosten zu senken, solange die Netzinfrastruktur dem Erzeugungszuwachs hinterherhinkt.

Widerspruch kommt aus Ländern und aus der Branche. Die Bayerische Staatsregierung und Verbände warnen vor einem Investitionsstopp für große Solarprojekte in Engpassregionen und vor Verlagerungen in ohnehin gut ausgebaute Netze. Nach Recherchen und Reaktionen aus Bayern wären süddeutsche Solar-Hotspots besonders betroffen. Kritiker sehen zudem Rechtsunsicherheiten für bereits geplante Parks, falls Übergangsregeln zu eng gefasst sind.

Alternative Instrumente werden in Stellungnahmen im Lobbyregister des Bundestags diskutiert. Dazu zählen differenzierte Baukostenzuschüsse, die Veröffentlichung digitaler Kapazitätsdaten auf Netzebene, verbindliche Fristen für Netzausbau und -verstärkung sowie gemeinsame Netzanschlüsse von Erzeugern mit Speichern. Wiederholt gefordert werden zudem klare Schutzklauseln für genehmigte oder fortgeschrittene Projekte.

Die finanziellen und rechtlichen Folgen hängen vom endgültigen Gesetzestext ab. Bis zur Entscheidung im Bundestag bleibt der Redispatch‑Vorbehalt ein umstrittenes Mittel zur Priorisierung knapper Netzkapazitäten. Entscheidend für die Akzeptanz dürften transparente, regional belastbare Kriterien für kapazitätslimitierte Netzgebiete und ein beschleunigter Netzausbau sein. Andernfalls droht das Netzpaket, nach Einschätzung von Ländern und Verbänden, eher zum zusätzlichen Ausbauhemmnis für Solarparks zu werden als zum Ordnungsrahmen, der Investitionen dorthin lenkt, wo Kapazität vorhanden ist.

Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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