PreussenElektra GmbH und der US‑Chiphersteller Nvidia prüfen seit Mitte Oktober 2026 ergebnisoffen, ob ehemalige Kernkraftwerksstandorte in Deutschland für große Rechenzentren zur Künstlichen Intelligenz in Frage kommen. Nach übereinstimmenden Berichten geht es in einem ersten Schritt um die Bewertung vorhandener Netzanbindungen, Umspannwerke, Flächen und um regulatorische Voraussetzungen. Eine Investitionsentscheidung gibt es nicht, konkrete Standorte wurden nicht benannt.
Der Vorstoß steht im Kontext der wachsenden Strom- und Flächennachfrage für Rechenzentren. Auf dem Invest in Germany Gipfel in Berlin kündigte die Bundesregierung im Oktober 2026 eine engere Zusammenarbeit mit Nvidia zur Förderung industrieller KI‑Anwendungen an. Die Prüfung von PreussenElektra gilt in diesem Rahmen als ein möglicher, noch unverbindlicher Ansatz für die Standortsuche.
Befürworter verweisen auf potenzielle Vorteile der Areale: leistungsfähige Netzknoten, bestehende Umspannwerke, Sicherheitszonen und großflächige industrielle Erschließung. Kritiker und Kommunen heben hingegen offene Punkte hervor, darunter die langfristige Energieversorgung, zusätzliche Netzausbauten, konkurrierende Flächennutzungen, Rückbau- und Sicherheitsauflagen sowie mögliche Widerstände vor Ort. Rechtlich wären für jede Umnutzung eigenständige Genehmigungs- und Umweltprüfverfahren sowie gegebenenfalls Änderungen in der Bauleitplanung erforderlich.
PreussenElektra erklärte, die Analyse richte sich zunächst auf technische und betriebliche Machbarkeit und enthalte keine Zusage zur Umnutzung. Nvidia bezeichnete das Vorgehen als ergebnisoffen und an nationale sowie lokale Vorgaben gebunden. Angaben zu Kosten, Zeitplänen oder Prioritäten machten beide Unternehmen nicht.
Deutschland hat seine letzten drei Kernkraftwerke im April 2023 abgeschaltet; die Anlagen befinden sich im Rückbau oder in der Vorbereitung darauf. Ehemalige Standorte wie Isar 2 in Essenbach, Grohnde an der Weser oder Brokdorf in Schleswig‑Holstein werden häufig als Beispiele für große, netznah erschlossene Industrieareale genannt. Eine Auswahl oder Präferenz für einzelne Orte geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.
Mit der jetzt gestarteten Prüfung verlagert sich die Debatte um Infrastruktur für KI‑Rechenzentren von allgemeinen Ausbauzielen hin zu konkreten Fragen von Standortwahl, Energiekonnektivität, kommunaler Planung und Genehmigungsrecht. Ob aus der Sondierung Projekte entstehen, hängt von weiteren technischen Bewertungen, Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Behördenverfahren ab.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).