In Deutschland wird seit Mitte Oktober 2026 erneut über den sogenannten Kassencheck gestritten – die in vielen Praxen übliche Abfrage, ob Patientinnen und Patienten gesetzlich oder privat versichert sind. Krankenkassen und Patientenschützer fordern, diese Praxis bei der Terminvergabe zu untersagen. Der aktuelle Anlass sind öffentliche Stellungnahmen und Berichte bis einschließlich 27. Oktober 2026, unter anderem bei BR24 und im Deutschen Ärzteblatt.
Der GKV-Spitzenverband spricht sich dafür aus, Termine strikt nach medizinischer Dringlichkeit zu vergeben und den Versicherungsstatus aus der Erstabfrage herauszunehmen. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenkassen führt die unterschiedliche Vergütung von Leistungen zwar zu ökonomischen Anreizen, rechtfertige aber keine Benachteiligung gesetzlich Versicherter. In Stellungnahmen aus der vergangenen Woche heißt es, ein Verbot des Kassenchecks würde ein klares Signal der Gleichbehandlung setzen und die Transparenz im Praxisalltag erhöhen.
Die ärztliche Seite widerspricht einer schnellen Lösung per Verbot. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung verweist darauf, dass längere Wartezeiten vor allem auf knappe Kapazitäten, bürokratische Vorgaben und eine aus ihrer Sicht unzureichende Vergütung im ambulanten Bereich zurückgehen. KBV-Chef Andreas Gassen betont, schnellere Facharzttermine seien bei objektiver Dringlichkeit heute schon möglich, insgesamt bräuchte es aber verlässliche Refinanzierung und weniger Bürokratie. Einzelne Abfragegepflogenheiten änderten an strukturellen Engpässen wenig.
Der rechtliche Rahmen ist gesetzt: Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz wurden Terminservicestellen ausgebaut, Notfall- und Akuttermine priorisiert und Anreize zur schnelleren Versorgung geschaffen. Evaluierungen und Analysen verweisen jedoch auf Lücken, etwa geringe Beteiligung mancher Praxen an Vermittlungssystemen, unübersichtliche Onlineportale und regionale Unterschiede. Zudem gab es wiederholt Hinweise, dass Privatversicherte in einzelnen Fachgebieten deutlich schneller einen Termin erhalten als gesetzlich Versicherte.
Politisch denkbare Schritte reichen von einem ausdrücklichen Verbot des Kassenchecks über strengere Dokumentationspflichten bis hin zu Vergütungsreformen. Befürworter eines Verbots erwarten sichtbare Fairnessgewinne an der Praxisschwelle. Ärztliche Verbände warnen hingegen, ohne zusätzliche Behandlungskapazitäten, besser organisierte Terminservicestellen und verlässliche Finanzierungselemente bliebe der Effekt begrenzt. Auch Patientenschutzorganisationen plädieren für klare, überprüfbare Regeln bei der Terminvergabe, verbunden mit Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen.
Kurzfristig könnte ein Verbot den Eindruck von Gleichbehandlung stärken und die prioritätsbasierte Vergabe transparenter machen. Ob Wartezeiten flächendeckend sinken, hängt jedoch von Folgeentscheidungen ab: mehr qualifiziertes Personal, besser abgestimmte Vermittlungswege und eine Vergütung, die akut notwendige Termine wie planbare Sprechstunden gleichermaßen abbildet.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).