Polizeibehörden und Opferberatungen warnen aktuell vor Übergriffen gegen queere Menschen nach Verabredungen über Dating-Apps. Auslöser sind jüngste Hinweise und Fallmeldungen, unter anderem aus Baden-Württemberg, wonach es nach über Apps vereinbarten Treffen zu Beleidigungen, Diebstählen und körperlicher Gewalt gekommen ist. Das SWR-Ressort berichtet über entsprechende Warnungen der Polizei und rät gemeinsam mit Beratungsstellen zu erhöhter Vorsicht.
Die Polizei ordnet die Fälle in einen längerfristigen Trend ein. Nach Angaben aus amtlichen Veröffentlichungen werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 sowie in Lagebildern des Bundeskriminalamts mehr Delikte erfasst, die sich gegen Menschen wegen sexueller Orientierung oder geschlechtsbezogener Diversität richten. Recherchen der Tagesschau dokumentieren zudem Fallserien, in denen Tätergruppen über vermeintliche Verabredungen Personen anlocken und anschließend angreifen oder ausrauben. Konkrete Zahlen variieren je nach Bundesland und Erfassungspraxis; die Behörden betonen eine hohe Dunkelziffer.
In aktuellen Präventionshinweisen empfiehlt die Polizei, erste Treffen an belebten, öffentlichen Orten zu vereinbaren, Vertrauenspersonen vorab über Ort und Zeit zu informieren und bei Verdachtsmomenten frühzeitig Hilfe zu holen. Zudem sollten Nutzerinnen und Nutzer von Dating-Apps ihre Profileinstellungen prüfen und bei Drohungen, Erpressungsversuchen oder Gewaltandrohungen unverzüglich Anzeige erstatten. Die Polizei nennt als Kontaktplattformen auch international verbreitete Dienste wie Grindr, betont aber, dass die weitaus meisten Begegnungen nicht in Straftaten münden.
Ermittlungen laufen regional unterschiedlich. In mehreren Bundesländern gehen Staatsanwaltschaften und Polizei Hinweisen auf Tätergruppen nach, die sich gezielt queere Menschen als Opfer auswählen. Opferberatungsstellen berichten parallel von mehr Anfragen zu Fällen, in denen Betroffene nach einem App-Date bedroht, beraubt oder verletzt wurden. Dabei verweisen sie auf Hürden bei der Anzeigeerstattung, etwa die Sorge vor einem unfreiwilligen Outing oder Misstrauen gegenüber Institutionen.
Unterschieden wird zwischen der akuten Gefährdungslage durch organisierte Fake-Dates und der strukturellen Zunahme von Hasskriminalität gegen queere Menschen. Erstere erfordert gezielte Ermittlungen, Öffentlichkeitsfahndungen und lokale Präventionsarbeit. Letztere stellt eine längerfristige Aufgabe der Innen- und Gesellschaftspolitik dar – einschließlich verlässlicher Datenerfassung durch das Bundeskriminalamt, Sensibilisierung der Polizei im Umgang mit Betroffenen und dem Ausbau niedrigschwelliger Hilfeangebote. Behörden und Beratungen rufen Betroffene und Zeuginnen sowie Zeugen dazu auf, Vorfälle zu melden, damit Muster schneller erkannt und Täter überführt werden können.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).