Saudi-Arabien hat den Betrieb der strategisch wichtigen Ost-West-Pipeline vorsorglich ausgesetzt. Das Energieministerium teilte über die staatliche Nachrichtenagentur SPA mit, spezialisierte Technik- und Notfallteams seien zur Sicherung der Anlagen im Einsatz. Angaben zur Dauer der Abschaltung machte die Regierung nicht.
Als Auslöser nannten die Behörden Drohnenangriffe auf mehrere Pumpstationen entlang der Trasse in den Regionen Riad und Medina am 10. September 2026. Das Außenministerium schrieb die Angriffe Drohnen aus dem Irak zu; die irakische Regierung kündigte eine Untersuchung an. Über mögliche Verletzte lagen zunächst widersprüchliche Angaben vor, die Schadensaufnahme an der Leitung laufe. CNN berichtete unter Berufung auf US-Quellen, Satellitenbilder zeigten Brandspuren an mehreren Punkten. Nach saudischen Angaben soll vorerst keine militärische Reaktion erfolgen, um Bagdad Zeit für Ermittlungen zu geben.
Die Ost-West-Pipeline, auch Petroline genannt, verbindet Fördergebiete am Persischen Golf mit der Küste am Roten Meer. Sie ermöglicht, Teile der Exporte an der Straße von Hormus vorbei zu leiten, einer Engstelle, an der es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Spannungen kam. Die Leitung gilt daher als zentrale Ausweichroute, wenn die Passage am Golf beeinträchtigt ist. In der Region operieren zudem verschiedene Milizen, die vereinzelt auf Energieinfrastruktur zielen; den aktuellen Angriff ordnet Riad Akteuren mit Bezug zum Irak zu.
Die vorsorgliche Abschaltung könnte die ohnehin empfindlichen globalen Lieferketten für Rohöl zusätzlich belasten. Für Europa und Deutschland als Nettoimporteure von Rohöl erhöht sich das Risiko kurzfristiger Preisschwankungen, zumal alternative Routen über den Suezkanal und die Meerenge Bab al-Mandab ebenfalls störanfällig sind. Ob es tatsächlich zu einer spürbaren Verknappung kommt, hängt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern vor allem von der Dauer der Unterbrechung, dem Ausmaß der Schäden an Pumpstationen und der Sicherheitslage entlang der Trasse ab.
Fest steht: Die saudische Regierung begründet den Stopp als Sicherheitsmaßnahme. Zugeschriebene Verantwortung und erste Bildauswertungen deuten auf gezielte Angriffe auf Unterstützungsinfrastruktur hin; ob die Rohrleitung selbst strukturell beschädigt wurde, ist offen. Prognosen zu längerfristigen Auswirkungen bleiben spekulativ, solange keine belastbaren Ergebnisse der Untersuchungen aus Riad und Bagdad vorliegen und keine Angaben zum Wiederanlauf gemacht werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).