Im Gnadensee, dem flachen Teil des Bodensees bei Konstanz, ist es erneut zu einem massenhaften Absterben der Quagga-Muschel gekommen. Forschende der Universität Konstanz berichten, dass aktuelle Messreihen markante Einbrüche des Sauerstoffgehalts in den tieferen Wasserschichten zeigen, die zeitlich mit den Mortalitätsereignissen zusammenfallen. Damit liegt eine plausible Erklärung für das wiederkehrende Muster im Gnadensee vor, das bereits in den vergangenen Jahren beobachtet wurde.
Nach Darstellung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entsteht das Problem in Phasen schwacher Durchmischung, wenn sich die Wassersäule saisonal schichtet und Wind oder Abkühlung nicht ausreichen, um sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis zum Grund zu transportieren. In Bodennähe können sich dann anoxische Zonen ausbilden. Standorte wie der Gnadensee, die relativ flach sind und lokal hohe Biomasse am Grund aufweisen, reagieren besonders empfindlich. Für sessile Filtrierer wie die Quagga-Muschel ist ausgeprägter Sauerstoffmangel tödlich.
Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis) wurde 2016 erstmals im Bodensee nachgewiesen und hat sich seitdem stark ausgebreitet. Sie filtert große Wassermengen, erhöht oft die Klarheit der oberen Wasserschichten und verschiebt Nährstoffflüsse und Nahrungsnetze. Die Befunde aus dem Gnadensee ändern nichts daran, dass die Art den See insgesamt prägt. Institute wie die Eawag und das Umweltbundesamt weisen darauf hin, dass die Quagga-Muschel in tieferen Seebereichen weiter an Biomasse gewinnen kann und langfristig die Ökostruktur verändert.
Nach Einschätzung der Universität Konstanz sind weitere Untersuchungen nötig, um die Rolle zusätzlicher Faktoren wie Temperaturspitzen, Nährstoffverfügbarkeit und mikrobieller Prozesse bei den wiederkehrenden Sterbeereignissen einzuordnen. Offen ist auch, wie stark witterungsbedingte Unterschiede von Jahr zu Jahr den Zeitpunkt und das Ausmaß der Sauerstoffeinbrüche beeinflussen.
Für die Region Konstanz und den Bodensee insgesamt bleibt die Lage ambivalent. Kurzfristige, lokal begrenzte Sterbeereignisse können den Stoffumsatz am Grund und die Verfügbarkeit von Nahrungspartikeln zeitweise verändern, ohne die Gesamtverbreitung der Art zwingend zu verringern. Behörden und Forschungseinrichtungen halten deshalb engmaschige Messkampagnen für geboten, um Folgen für die Trinkwasserversorgung, Fischbestände und die Uferökologie in Baden-Württemberg belastbar zu bewerten. Die jüngsten Messdaten liefern dafür einen konkreten Ansatzpunkt: Wo der Sauerstoff nahe dem Seeboden unter kritische Schwellen fällt, steigt das Risiko eines erneuten Massensterbens deutlich.
Zugeschriebene Aussagen beziehen sich auf die Universität Konstanz; Einordnungen zur langfristigen Entwicklung stammen von der Eawag und dem Umweltbundesamt. Prognosen bleiben vorsichtig: Die Dynamik hängt wesentlich von der künftigen Witterung und den jeweiligen Mischungsverhältnissen im See ab.
Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).