Aktuell weitet die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg gemeinsam mit Partnern die Praxistests zur Waldbrandprävention mit Schafen und Ziegen aus. Das Vorhaben PreGraze soll klären, wo gezielte Beweidung die Brandlast wirksam senken und Brandschutzstreifen pflegen kann. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert das Projekt, das seit Februar 2026 läuft und bis Januar 2029 wissenschaftlich begleitet wird.
Der Ansatz: Schafe und Ziegen fressen Gras, Kraut und jungen Aufwuchs. Dadurch wird die Kontinuität brennbarer Vegetation unterhalb der Baumschicht unterbrochen. Entlang von Wegen, Waldrändern und in Übergängen zu Siedlungen können so offenere Zonen entstehen, die das Übergreifen von Feuer bremsen. Erste Erfahrungen aus Pilotflächen, etwa im Beelitzer Stadtwald, werden derzeit zusammengetragen und mit Forstbetrieben sowie Kommunen diskutiert.
Nach Angaben der Projektkoordination werden auf Modellflächen unterschiedliche Herdenstärken, Beweidungszeiträume und Schutzzäune getestet. Ziel ist es, für typische Standorte in Deutschland praktikable Leitlinien zu erarbeiten: Welche Flächen sich eignen, welche Mindestbreite Brandschutzstreifen benötigen, wie häufig nachbeweidet werden muss und wie sich Maßnahmen in bestehende Betriebsabläufe der Forstwirtschaft integrieren lassen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vereinbarkeit mit Naturschutzzielen, etwa dem Schutz bodenbrütender Vögel und artenreicher Saumgesellschaften.
Fachleute betonen zugleich Grenzen. Beweidung ersetzt weder die mechanische Pflege noch das Anlegen von Brandschneisen oder taktischem Feuer, sondern ergänzt diese Instrumente. Hinzu kommen logistische Fragen wie die zuverlässige Einzäunung, Zugänge für Einsatzfahrzeuge und der Schutz der Herden vor Prädatoren. Zuständigkeiten von Forst- und Naturschutzbehörden sowie geeignete Vergütungsmodelle für Weidetierhalter gelten als zentrale Umsetzungsbedingungen.
Für Kommunen und private Waldbesitzer sind belastbare Empfehlungen besonders dort gefragt, wo Vegetationsbrände häufiger auftreten. PreGraze bereitet hierfür Handreichungen vor, die rechtliche, ökologische und betriebliche Aspekte bündeln. Begleitend werden Risiken und Nebenwirkungen dokumentiert, etwa Trittbelastungen an sensiblen Standorten oder Konflikte mit Erholungsnutzung.
Die Zwischenbilanz fällt differenziert aus: Auf siedlungsnahen, gut zugänglichen Flächen mit ausreichend Weidedruck kann Beweidung die Brandlast senken und den Pflegeaufwand reduzieren. In ausgedehnten, strukturreichen Beständen bleibt sie hingegen auf Teilbereiche beschränkt. Bis zum Projektende sollen die Ergebnisse in übertragbare Kriterienkataloge einfließen, damit Länderforsten, Kommunen und Betriebe die Eignung ihrer Flächen für den Einsatz von Schafen und Ziegen zur Waldbrandprävention fundiert bewerten können.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).