Der Schwarzmilzferner, lange Zeit als letzter Gletscher der Allgäuer Alpen geführt, gilt nach aktuellen Beobachtungen und Vermessungen Mitte Oktober 2026 als praktisch verschwunden. Vor Ort wurden nur noch wenige Meter Eisdicke festgestellt. Fachleute werten den Zustand als Ende des Gletschers im glaziologischen Sinn; ein vollständiges Abschmelzen der Reste wird in kurzer Frist erwartet.
Der Eisrest liegt an der Südostflanke der Mädelegabel, unmittelbar an der Staatsgrenze auf Tiroler Seite. In Alpenführern und Fachbeiträgen war der Schwarzmilzferner wiederholt als letztes dauerhaftes Gletschervorkommen der Allgäuer Alpen beschrieben worden. Die seit Jahren negative Massenbilanz, außergewöhnlich warme Sommer sowie schneearme Winter haben die Substanz des kleinen Talgletschers rapide reduziert. Fachliche Einschätzungen aus dem Umfeld des Deutschen Alpenvereins ordnen den Befund in die Serie der Wärme- und Trockenjahre 2024 bis 2026 ein.
Zuständigkeiten unterscheiden sich nach Landesgrenzen: Für die wissenschaftliche Erfassung und Klassifizierung liegt der Schwerpunkt bei österreichischen Glaziologie-Einrichtungen, da der Schwarzmilzferner in Tirol liegt. Deutsche Berg- und Naturschutzverbände dokumentieren zugleich die Auswirkungen auf der bayerischen Seite der Allgäuer Alpen. Aus dem Raum Oberstdorf werden veränderte Wegverhältnisse im Hochgelände gemeldet, etwa freigelegte Schutthalden oder instabile Steilpassagen, die vormals vom Eis gestützt wurden.
Die Bedeutung des Verschwindens geht über den lokalen Topos hinaus. In den Nordalpen verschiebt das rasche Tauen kleiner Gletscher die Wasserverfügbarkeit in trockenen Sommern, verändert die Dynamik von Moränen- und Schuttkörpern und erhöht die Anfälligkeit permafrostdurchsetzter Hänge für Felsstürze. Behörden und alpine Organisationen reagieren mit dichterem Monitoring, etwa durch wiederholtes Laserscanning und verbesserte Gefahrenhinweise an exponierten Wegen. Hütten und Wegehalter prüfen Sicherungen und saisonale Anpassungen, um auf die veränderte Schneedecken- und Tauperiodik zu reagieren.
Offen bleibt, wie lange sich in Schattenlagen kleinräumige Firn- oder Eisreste halten und ob sie glaziologisch überhaupt noch als Gletscher eingestuft werden können. Messreihen für eine formale Aufnahme in längerfristige Bilanzen sind in Arbeit oder werden aktualisiert. Prognosen zu den Restflächen beruhen auf Beobachtungstrends und Modellierungen der vergangenen Jahre; sie sind als Vorhersagen gekennzeichnet, nicht als bereits eingetretene Tatsachen.
Damit markiert der Befund am Schwarzmilzferner eine Zäsur für die Allgäuer Alpen. Er macht sichtbar, wie stark der Klimawandel den Hochgebirgsraum bis in die nördlichen Kalkalpen verändert und welche planerischen Konsequenzen dies in einem grenzüberschreitenden Gebirge nach sich zieht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).