Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach jüngsten Angriffen auf Verkehrsbrücken in Kiew eine Ausweitung ukrainischer Schläge gegen russische Ölraffinerien angekündigt. In einem Interview mit Reuters am 3. Oktober sagte Selenskyj, Russland verfolge mit massierten Drohnen- und Raketenangriffen eine „neue Doktrin“, die auf die Vertreibung der Zivilbevölkerung ziele. Als Reaktion solle die russische Ölindustrie verstärkt ins Visier genommen werden.
Vorausgegangen waren in den vergangenen Tagen wiederholte Angriffe auf mehrere große Verkehrsverbindungen über den Dnipro in Kiew. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden Brücken beschädigt oder zeitweise gesperrt, was zu Staus und Unterbrechungen im städtischen Verkehr führte. Die ukrainische Führung spricht von gezielten Angriffen auf kritische Infrastruktur; Moskau bestreitet systematische Angriffe auf zivile Ziele und weist die Verantwortung für Schäden an Nichtmilitärzielen zurück.
Russische Stellen meldeten zugleich, Luftabwehrkräfte hätten mehrfach ukrainische Drohnen über Ölanlagen abgewehrt. Berichte über Treffer und Ausfälle einzelner Raffinerien lassen sich unabhängig nicht in allen Fällen verifizieren. Klar ist, dass die Ukraine bereits seit Monaten mit unbemannten Systemen Energieziele in Russland angreift, um Treibstoffversorgung, Logistik und Einnahmen des Angreifers zu schwächen.
Die Debatte über Zulässigkeit und Wirkung solcher Operationen gewinnt an Schärfe. Vertreter der Europäischen Union und der Nato äußerten sich besorgt über die jüngsten Angriffe auf städtische Infrastruktur in der Ukraine und verwiesen zugleich auf das Recht Kiews zur Selbstverteidigung. Wie weit Unterstützung und Bereitstellung von Fähigkeiten für Schläge auf Ziele in Russland reichen dürfen, bleibt politisch umstritten und hängt von nationalen Vorgaben der Partner ab.
Ökonomisch schlagen die Attacken auf russische Ölraffinerien in volatilen Kraftstoffpreisen nieder. Analysten verweisen auf Risiken für regionale Lieferketten, sollten Reparaturen länger dauern oder weitere Anlagen ausfallen. In der Ukraine wiederum verschärfen beschädigte Brücken die Lage im Alltag: Umleitungen verlängern Wege für Rettungsdienste, Lieferverkehr und Pendler, und die Reparaturkapazitäten stehen unter dem Druck anhaltender Luftalarme.
Selenskyjs Ankündigung markiert damit eine weitere Eskalationsstufe im Luftkrieg beider Seiten. Ob und in welchem Umfang zusätzliche Angriffe auf russische Anlagen folgen, hängt von der militärischen Lage und den Reaktionen Moskaus ab. Eine kurzfristige Entlastung für Kiews Verkehrsknotenpunkte ist unter den derzeitigen Bedingungen nicht absehbar.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).