Die asiatischen Shoppingplattformen Shein, Temu und AliExpress haben in Deutschland im dritten Quartal 2026 deutlich an Geschäft verloren. Nach Berechnungen des Bundesverbands E‑Commerce und Versandhandel (BEVH) sanken die gemeinsamen Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro. Die Auswertung bezieht sich auf das drittes Quartal 2026 (Juli bis September) und wurde am 9. Oktober 2026 veröffentlicht.
Als Hauptursachen nennt der BEVH das Ende bisheriger Zollfreigrenzen für Kleinsendungen aus Drittstaaten sowie verschärfte Import- und Produktsicherheitsregeln der Europäischen Union. Dadurch fallen für viele Sendungen aus Nicht‑EU‑Ländern zusätzliche Abgaben an; zugleich gelten strengere Registrierungspflichten und eine ausgeweitete Haftung der Anbieter. Nach Einschätzung des Verbands verteuert dies die Logistik und Preiskalkulation der Plattformen und mindert die Attraktivität sehr günstiger Direktangebote für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland.
Neben den absoluten Umsätzen ging laut BEVH auch der gemeinsame Marktanteil der drei Plattformen zurück. Er lag im dritten Quartal 2026 bei 3,1 Prozent des deutschen Onlinehandels. Die angegebenen Werte verstehen sich brutto, also einschließlich Umsatzsteuer, und sind nicht inflationsbereinigt.
Deutschlandfunk, Tagesschau und Handelsblatt berichteten über die Zahlen. Händlerverbände hatten bereits zuvor auf Wettbewerbsnachteile für hiesige Anbieter hingewiesen und eine konsequentere Durchsetzung der Rechtslage bei Anbietern aus Drittstaaten gefordert. Die nun vorliegenden Verbandsdaten deuten darauf hin, dass regulatorische Eingriffe und administrative Anforderungen die Marktposition von Shein, Temu und AliExpress in Deutschland spürbar schwächen.
Für deutsche Handelsunternehmen fallen die Folgen unterschiedlich aus. In preissensiblen Sortimenten könnte der geringere Druck durch Billigimporte Margen stabilisieren. Gleichzeitig bleiben Beschaffungs- und Preisspannungen für Firmen bestehen, die stark auf günstige Zulieferketten oder Dropshipping aus Drittstaaten setzen. Zudem ist offen, wie schnell die Plattformbetreiber ihre Abläufe an die neuen EU‑Vorgaben anpassen und damit einen Teil der Zusatzkosten kompensieren können.
Wie nachhaltig der Rückgang ausfällt, hängt aus Verbandssicht von der weiteren Umsetzung europäischer Regelwerke, den Reaktionen der Anbieter und dem Konsumverhalten in den kommenden Quartalen ab. Die BEVH‑Zahlen liefern einen aktuellen, belegten Hinweis auf eine Marktverschiebung im deutschen Onlinehandel – mit möglichen rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen für Plattformen und Händler gleichermaßen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).