Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Handwerkskammer Hannover. Nach übereinstimmenden Berichten von NDR und Neue Presse ist auch der Hauptgeschäftsführer Peter Karst als Beschuldigter in dem Verfahren benannt. Eine Anklage gibt es nicht; die Ermittlungen laufen seit Anfang der Woche und stützen sich auf einen Anfangsverdacht.
Im Zentrum stehen demnach Abrechnungen rund um Bildungs- und Kursangebote am Campus Handwerk in Garbsen. Geprüft wird insbesondere, ob Lehrkräfte und Dozenten als Selbständige eingesetzt wurden, obwohl Merkmale abhängiger Beschäftigung vorgelegen haben könnten, und ob Sozialversicherungsbeiträge vollständig abgeführt wurden. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte den Eingang entsprechender Hinweise, äußerte sich zu Details des Verfahrens jedoch nicht.
Karst, der zugleich als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Hannover antritt, weist die Vorwürfe nach Medienangaben zurück. Er kritisierte demnach das Timing der Berichte kurz vor der Oberbürgermeisterwahl Hannover 2026 am 13. September und erklärte, die Handwerkskammer Hannover kooperiere mit den Ermittlungsbehörden. Eine unabhängige Bestätigung konkreter Vorwürfe über das laufende Ermittlungsstadium hinaus liegt bislang nicht vor.
Rechtlich ist zu unterscheiden zwischen möglichen Verstößen im Sozialversicherungs- und Verwaltungsrecht und einem strafrechtlich relevanten Tatverdacht. Ermittlungen dienen der Aufklärung, sie bedeuten keine Vorverurteilung. Für die Feststellung von Scheinselbstständigkeit sind typischerweise Tätigkeitsumfang, Weisungsgebundenheit und Eingliederung in betriebliche Abläufe maßgeblich. Prüfungen in diesem Bereich erfolgen in der Regel durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls beim Hauptzollamt Hannover; strafrechtliche Bewertungen obliegen der Staatsanwaltschaft.
Politisch ist der Vorgang brisant, weil die Ermittlungen eine Woche vor der Wahl öffentlich wurden. Für die Handwerkskammer Hannover steht zugleich die Integrität ihrer Bildungsangebote im Fokus. Sollten sich Pflichtverstöße bei Abgaben oder Beiträgen bestätigen, könnten neben Nachforderungen auch Bußgelder oder strafrechtliche Schritte folgen. Bislang hat die Staatsanwaltschaft Hannover weder Durchsuchungen noch weitere Maßnahmen öffentlich gemacht. Weitere Klarheit wäre durch formelle Mitteilungen, etwa mit Aktenzeichen oder einer möglichen Anklageerhebung, zu erwarten.
NDR und Neue Presse berichten, dass interne Abläufe und Vertragsgestaltungen am Campus Handwerk geprüft werden. Offizielle Stellungnahmen der Kammer blieben zunächst allgemein; man wolle die Ermittlungen unterstützen und nach deren Abschluss umfassend informieren. Aussagen zu Verantwortlichkeiten und Konsequenzen bleiben daher vorläufig.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).