Neue Erhebungen von Commerzbank, ING und Deutschem Aktieninstitut deuten auf eine wachsende Beteiligung privater Haushalte am Kapitalmarkt in Deutschland hin. Demnach halten deutlich mehr Menschen als noch vor wenigen Jahren Aktien, Fonds oder ETFs. Den Zuwachs tragen vor allem Fonds- und ETF-Sparpläne, die insbesondere bei jüngeren Anlegerinnen und Anlegern verbreitet sind.
Die Commerzbank berichtet in ihrer aktuellen Anlagestudie von steigenden Wertpapierbeständen über mehrere Altersgruppen hinweg. Die ING verweist in einer Analyse auf eine deutlich höhere Zahl von ETF-Anlegerinnen und -Anlegern seit Beginn der 2020er Jahre, begünstigt durch sinkende Gebühren und eine größere Auswahl standardisierter Produkte. Das Deutsche Aktieninstitut meldet erhöhte Aktionärszahlen auch über indirekte Anlagevehikel wie Fonds. Diese Aussagen beziehen sich auf aggregierte Trends; genaue Quoten unterscheiden sich je nach Datengrundlage und Stichtag.
Auffällig ist der Schub bei jüngeren Erwachsenen. Digitale Angebote und niedrige Einstiegshürden machen regelmäßige ETF-Sparpläne für Einsteigerinnen und Einsteiger attraktiv. Laut den Studien wächst auch der Anteil von Frauen, die Wertpapiere nutzen. Gleichzeitig verweisen die Autorinnen und Autoren auf weiterhin vorhandene Wissenslücken und die Bedeutung verständlicher Informationen.
Ungeachtet des Trends bleibt ein großer Teil der privaten Guthaben auf dem Sparbuch oder auf Girokonten. Angesichts der Kapitalmarktrenditen der vergangenen Jahre warnen die Studien, dass dauerhaft hohe Liquiditätsbestände die Vermögensbildung bremsen können. Sie plädieren für mehr Finanzbildung, transparente Produktkosten und zielgruppengerechte Beratung, um Risiken und Chancen ausgewogener einzuschätzen.
Für die Politik und die Finanzbranche ergeben sich daraus zwei Handlungsfelder. Erstens: Finanzkompetenz stärken, etwa durch Bildungsangebote, die Basiswissen zu Diversifikation, Kosten und Risiko vermitteln. Zweitens: einfache, kostengünstige Produkte anbieten, die auch bei kleinen Beträgen funktionieren. Ob sich der Trend verstetigt, hängt nach Einschätzung der Institute von Marktbedingungen, Gebührenniveau und der weiteren Verbreitung verlässlicher Informationen ab.
Der Befund passt zu einem längerfristigen Muster: Bereits vorangegangene Erhebungen zeigten, dass die Zahl der Anlegerinnen und Anleger in Deutschland in Phasen höherer Kapitalmarktrenditen zunimmt. Zugleich bleibt das Sicherheitsmotiv stark. Die aktuelle Datensammlung deutet darauf, dass sich das Bild vom „Aktienmuffel“ abschwächt – nicht abrupt, aber spürbar über den Umweg breit gestreuter Fonds und ETFs.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).