In Halle (Saale) haben Archäologinnen und Archäologen vom 7. bis 9. Oktober 2026 auf der internationalen Tagung „Fake Prehistory“ über Fälschungen, Betrug und gezielte Geschichtsklitterung in ihrem Fach beraten. Ausgerichtet wurde die Konferenz vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Tagungsort war die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ziel der Veranstaltung war es, dokumentierte Fälle zusammenzuführen, aktuelle Methoden zur Entlarvung zu bilanzieren und wissenschaftliche sowie gesellschaftliche Folgen präzise zu diskutieren.
Im Mittelpunkt standen historische Skandale ebenso wie gegenwärtige Formen der Manipulation: von handwerklich gefertigten Objektfälschungen über selektive Datenverfälschungen bis hin zu pseudowissenschaftlichen Narrativen mit politischer oder ideologischer Stoßrichtung. Beiträge aus Hochschulen, staatlicher Denkmalpflege und internationalen Forschungseinrichtungen stellten naturwissenschaftliche Nachweismethoden, materialkundliche Diagnostik und forensische Verfahren vor. Ebenso wurden institutionelle Verantwortung und der Umgang mit Verdachtsfällen erörtert, einschließlich der Frage, wie Begutachtungsprozesse und Fehlermanagement verbessert werden können.
Ein Schwerpunkt betraf die Schnittstelle zwischen Forschung und Öffentlichkeit. Diskutiert wurde, welche Rolle Medien, private Sammler und der Antikenhandel bei Entstehung und Verbreitung fragwürdiger Objekte und Narrative spielen. Mehrere Referate betonten die Notwendigkeit robuster Provenienzprüfungen, standardisierter Dokumentation und transparenter Datenablagen, um Nachprüfbarkeit zu sichern und Vertrauensverluste zu vermeiden. Zudem wurde erörtert, wie Einrichtungen ihre Reputation wahren können, ohne die Freiheit von Forschung und Publikation ungebührlich einzuschränken.
Aus methodischer Sicht hoben Teilnehmende die Ausbildung hervor: Der Nachwuchs in der Archäologie solle stärker in naturwissenschaftlichen Analysen, Materialkunde und Qualitätssicherung geschult werden, um Fälschungen frühzeitig zu erkennen. Vorgeschlagen wurden engere Netzwerke zwischen Universitäten, Landesämtern und spezialisierten Laboren sowie verbindliche Protokolle für Material- und Provenienzprüfungen. Konkrete Maßnahmen wurden beraten; formale Beschlüsse stehen teilweise noch aus.
Die Tagung ordnete den Befund in einen überregionalen Kontext ein: Fälschungen sind ein anhaltendes Risiko mit wissenschaftlichen, rechtlichen und gesellschaftlichen Dimensionen. Nach Angaben der Veranstalter werden die Beiträge ausgewertet und Empfehlungen veröffentlicht, um Verfahren zu präzisieren und das Vertrauen in Archäologie und Denkmalpflege zu stärken. Sachsen-Anhalt dient damit als Plattform für eine Debatte, die weit über die Region hinausreicht und Standards in Forschung und Praxis nachhaltig beeinflussen könnte.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).