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Taliban setzen Europäische Union mit Reisepässen unter Druck und drängen auf eigene Diplomaten

Nach NDR-Recherchen erhöhen die Taliban den Druck auf EU-Staaten – auch Deutschland –, um eigene Diplomaten zu entsenden und Passdienste aufzunehmen. Das soll Rückführungen erleichtern, ohne dass eine Anerkennung erfolgt.

Die in Afghanistan herrschenden Taliban erhöhen nach Recherchen des NDR den Druck auf mehrere Staaten der Europäischen Union, um eigene Diplomaten in bereits bestehenden Vertretungen einzusetzen und wieder konsularische Dienste wie die Ausstellung von Reisepässen anzubieten. Das Angebot wird demnach gezielt als Hebel genutzt, um Kooperationen bei Rückführungen zu erleichtern. Ein formaler Schritt zur Anerkennung der Taliban als Regierung ist damit nicht verbunden.

Aus Deutschland heißt es, Kontakte fänden ausschließlich auf technischer Ebene statt. Die Bundesregierung verweist darauf, dass die internationale Nichtanerkennung fortbesteht. Gleichwohl sind funktionierende Pass- und Identitätsprüfungen für Abschiebungen eine zentrale Voraussetzung – ein Umstand, den die Taliban nach übereinstimmenden Berichten strategisch nutzen. Das Auswärtige Amt betonte zuletzt, konsularische Abläufe würden rechtlich geprüft und menschenrechtliche Standards gälten unverändert.

Ein wichtiger Bezugspunkt waren Gespräche zwischen EU-Vertretern und einer Delegation der Taliban am 23. Juni 2026 in Brüssel. Nach Angaben aus EU-Kreisen ging es dort um Rückführungen, konsularische Fragen und technische Verfahren. Von einer politischen Aufwertung oder Anerkennung war keine Rede. Beobachter werten diese Kontakte als Versuch, praktische Probleme zu lösen, ohne völkerrechtliche Positionen zu verändern.

Hintergrund ist, dass zahlreiche afghanische Auslandsvertretungen seit 2021 von vor der Machtübernahme entsandten Diplomaten geführt werden, während die Taliban in Kabul die faktische Kontrolle über staatliche Strukturen ausüben. Daraus ergeben sich Lücken bei der Passausstellung und Identitätsfeststellung, die Abschiebungen in der Praxis erschweren. Gleichzeitig warnt die Menschenrechtscommunity vor Risiken beschleunigter Verfahren und möglicher Repressionen nach einer Rückkehr.

Juristisch bleibt heikel, wie Staaten Diplomaten einer nicht anerkannten Regierung akkreditieren können, ohne die Anerkennungsfrage zu berühren. Denkbar sind eng begrenzte Dienstpässe, befristete Visa und strikte Mandate für konsularische Tätigkeiten. Behörden in Deutschland und anderen EU-Staaten prüfen zudem Verfahren zur Identitätsfeststellung, Kontrolle gegen Passfälschungen und Schutzmechanismen für vulnerable Personen.

Die Taliban verfolgen seit Monaten eine sichtbare Strategie, internationale Isolierung aufzubrechen, Verwaltungshoheit zurückzuerlangen und Einnahmequellen über konsularische Gebühren zu sichern. In Europa wächst zugleich der Druck, handlungsfähige Verfahren zu etablieren, ohne rote Linien beim Menschenrechtsschutz zu überschreiten. Wie schnell einzelne EU-Staaten die Passdienste wieder zulassen und unter welchen Auflagen Taliban-Vertreter in Botschaftsangelegenheiten tätig werden dürfen, ist weiterhin offen.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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