Thüringens Hochschulen erhalten im Doppelhaushalt 2026/2027 mehr Geld. Nach Haushaltsunterlagen steigen die Grundmittel im Jahr 2026 um rund 3,5 Prozent, 2027 um etwa 1,24 Prozent. Hochschulen und der Thüringer Rechnungshof warnen dennoch vor realen Kürzungen: Tarifabschlüsse, höhere Energiepreise und teureres Bauen zehren die nominalen Zuwächse auf und verschieben Investitionen.
Das Thüringer Finanzministerium stellt die Erhöhungen als verlässliches Signal für Forschung und Lehre heraus. Hochschulvertreter halten dagegen, die Kaufkraft sinke spürbar. Besonders ins Gewicht fallen tarifliche Personalmehrkosten, Energie- und Instandhaltungsausgaben sowie Preissteigerungen bei IT und Laboren. Ohne Ausgleich müssten Einrichtungen laufende Ausgaben priorisieren und Projekte verschieben.
Parallel hat die Landesregierung die Hochschulrahmenvereinbarung verlängert, die die langfristige Finanzierung und Mittelverteilung regelt. Sie setzt auf Profilbildung, Kooperationen und Effizienzgewinne. Aus den Hochschulen kommt Kritik, die Vorgaben seien in der aktuellen Kostenlage zu starr und enthielten zu wenig kurzfristige Kompensation für tarif- und inflationsbedingte Mehrbelastungen. Zugleich wird anerkannt, dass die Planungssicherheit der Vereinbarung grundsätzlich hilft, Studien- und Forschungsangebote zu stabilisieren.
Der Thüringer Rechnungshof mahnt, dass aufgeschobene Bau- und Digitalisierungsprojekte Folgekosten erzeugen und den Spielraum zukünftiger Haushalte einengen. Dies betrifft auch überfällige Sanierungen in der Liegenschaftsverwaltung. Für die Hochschulen heißt das: weniger Flexibilität bei Bauvorhaben, engere Personalkorridore und begrenzte Möglichkeiten, zeitlich befristete Drittmittelprojekte in Dauerstrukturen zu überführen.
Hochschulen fordern daher eine klare Kompensationslinie für Tarifabschlüsse, eine Absicherung gestiegener Energie- und Bewirtschaftungskosten sowie zweckgebundene Investitionsmittel. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena verweist wie andere Einrichtungen auf die Bedeutung stabiler Rahmen für Berufungen, Nachwuchsförderung und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Über konkrete Nachsteuerungen entscheidet der Thüringer Landtag im Rahmen des Vollzugs und möglicher Nachträge. Kurzfristig bereiten mehrere Einrichtungen Konsolidierungsschritte vor: befristete Einstellungsstopps, der Verzicht auf nicht zwingende Beschaffungen, längere Nutzungszyklen für Geräte und priorisierte Baumaßnahmen. Mittelfristig dürfte eine Debatte über die Verteilmechanismen, die Ausgestaltung der Hochschulrahmenvereinbarung und zusätzliche Programme des Landes anstehen, falls die Hochschulen im Haushaltsvollzug stärkere Mehrbelastungen nachweisen.
Der geltende Doppelhaushalt 2026/2027 setzt damit den finanziellen Rahmen. Ob die nominellen Aufwüchse reichen, hängt wesentlich davon ab, wie sich Energiepreise, Baukosten und die Folgewirkungen der jüngsten Tarifabschlüsse entwickeln.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).