Josef Duchač, der erste Ministerpräsident des nach der Wiedervereinigung wiedergegründeten Freistaats Thüringen, ist nach Angaben der Staatskanzlei am 23. Oktober 2026 gestorben. Der CDU-Politiker wurde 88 Jahre alt. Die Mitteilung aus Erfurt wurde am 26. Oktober 2026 veröffentlicht. Offiziell hieß es, Duchač sei nach langer, schwerer Krankheit verstorben.
Duchač stand von Dezember 1990 bis Februar 1992 an der Spitze der ersten Landesregierung Thüringens nach der deutschen Einheit. In dieser Aufbauphase trieb er die organisatorische Neuordnung der Verwaltung und den Aufbau zentraler Institutionen des Landes voran. Die kurze Amtszeit endete im Februar 1992 mit seinem Rücktritt, nachdem es im Umfeld der Landesverwaltung zu heftigen Auseinandersetzungen über mögliche Verstrickungen einzelner Amtsträger mit dem früheren DDR-System gekommen war. Duchač selbst bestritt damals unzulässige Einflussnahmen, die Vorwürfe belasteten jedoch die Regierung erheblich.
Die Staatskanzlei in Erfurt würdigte Duchač als prägende Persönlichkeit der thüringischen Nachwendegeschichte und betonte seinen Beitrag zur Festigung des Freistaats Thüringen in den Jahren nach 1990. Auch aus der CDU kamen würdigende Worte. Mario Voigt (CDU) sprach der Familie sein Beileid aus und erinnerte an Duchačs Einsatz beim Aufbau der Landesinstitutionen. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt war Duchač unter anderem für die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig und blieb der Landespolitik als Ratgeber verbunden.
Der gebürtige Chemieingenieur stieg in den Monaten der Wende in Thüringen rasch zu einem führenden Landespolitiker auf. Seine Biografie spiegelt die Brüche dieser Zeit: Sie verbindet den zügigen Aufbau neuer demokratischer Strukturen mit den Konflikten um Personalentscheidungen und die Aufarbeitung von Vergangenheit in einer Übergangsphase. In späteren Rückblicken wurde Duchačs Rolle unterschiedlich bewertet – einerseits als Wegbereiter des Freistaats, andererseits als politisch umstrittene Figur jener frühen Jahre.
Angaben zu Trauerfeier oder möglichem Staatsakt nannte die Staatskanzlei zunächst nicht. Hinweise auf Zeitpunkt und Form offizieller Gedenkveranstaltungen lagen am Montag nicht vor. Mit dem Tod von Josef Duchač rückt die Anfangszeit des wiedergegründeten Landes Thüringen erneut in den Blick, als politische und administrative Grundlinien gelegt wurden, die bis heute wirken.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).