Die Hochschulversammlung der Universität Erfurt hat am 2. November 2026 den Politikwissenschaftler André Brodocz zum Präsidenten gewählt. Nach Angaben der Universität ist es die erste Wahl eines Präsidenten aus den eigenen Reihen. Brodocz lehrt seit 2009 an der Universität Erfurt und war zuletzt Vizepräsident für Forschung und akademische Karriere. Die formale Ernennung durch das Land steht noch aus; bis dahin bleibt die Interimslösung bestehen.
Die Entscheidung fiel nach einem längeren Verfahren mit zwei Anläufen. Zuvor hatte die Hochschulversammlung im Jahr 2025 die Germanistin Anke Holler gewählt. Ihr Amtsantritt kam jedoch nicht zustande. Holler erklärte im Juni 2026, die Übernahme des Amtes scheitere an veränderten Konditionen. In der Übergangszeit führte Walter Bauer-Wabnegg, der frühere Präsident, die Geschäfte der Universität Erfurt als Interimspräsident weiter. Der Universitätsrat begleitete die erneute Suche und unterstützte die Kandidatur von Brodocz.
Mit der Wahl eines internen Kandidaten setzt die Hochschule auf Kontinuität und vorhandene Kenntnisse der eigenen Strukturen. Brodocz war in den vergangenen Jahren in verschiedenen Gremien aktiv, unter anderem als Dekan, Senator und Mitglied im Universitätsrat. Befürworter verweisen darauf, dass ein interner Präsident Abläufe, Personal und Profil der Universität Erfurt genau kennt und Projekte ohne lange Einarbeitung fortführen kann. Skepsis gibt es dort, wo externe Impulse für Strukturreformen, etwa bei Finanzen, Personalentwicklung und Profilbildung in Forschung und Lehre, als notwendig angesehen werden. Diese Einschätzungen sind Bewertungen Dritter und nicht Teil der förmlichen Entscheidung.
Rechtlich ist das Verfahren an das Thüringer Hochschulgesetz gebunden. Nach der Wahl durch die Hochschulversammlung folgen Bestellungs- und Ernennungsschritte, in die Universitätsrat und Landesministerium eingebunden sind. Erst mit der Ernennung beginnt die Amtszeit. In einer ersten Stellungnahme nannte Brodocz als Schwerpunkte die Stärkung der Forschungsinfrastruktur, die Sicherung von Stellen und eine klare Priorisierung laufender Vorhaben. Konkrete Maßnahmen werden nach Gesprächen mit dem Universitätsrat und dem Land Thüringen erwartet.
Für die Universität Erfurt beendet die Wahl eine Phase der Unsicherheit. Die kommenden Wochen stehen im Zeichen der Übergabe und der Festlegung operativer Schritte. Ob die interne Lösung zu einer zügigeren Umsetzung offener Projekte führt, hängt von den anstehenden Personalentscheidungen, den verfügbaren Mitteln und den Vereinbarungen mit Thüringen ab.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).